Überregionales : Zschäpe spricht „Worte des Bedauerns“

Urteile im größten deutschen Terrorprozess um Verbrechen des NSU fallen am 11. Juli

Frank Jansen Matthias Meisner Berlin

Im NSU-Prozess steht nach mehr als fünf Jahren mit 437 Verhandlungstagen der Termin für das Urteil fest. Die Verkündung sei für kommende Woche Mittwoch vorgesehen, sagte der Vorsitzende Richter des 6. Strafsenats am Oberlandesgericht München, Manfred Götzl, am Dienstag. Zuvor hatten vier der fünf Angeklagten die Gelegenheit genutzt, letzte Worte zum Verfahren zu sagen. Sie könne leider nicht mehr äußern „als Worte des aufrichtigen Bedauerns“, sagte die Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Die Angehörigen, die einen geliebten Menschen verloren, „haben mein aufrichtiges Mitgefühl“. Die nach München gekommenen Eltern des vom NSU ermordeten Halit Yozgat reagierten nach der Verhandlung empört. „Ich glaube nichts von dem, was sie gesagt hat“, rief Ismail Yozgat. Die Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten seinen Sohn am 6. April 2006 in Kassel erschossen.

Die Bundesanwaltschaft wirft Zschäpe vor, Mitglied der Terrorzelle NSU gewesen und für die zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle als Mittäterin verantwortlich zu sein. Die Ankläger verlangen für die Frau lebenslänglich mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung. Zschäpes Anwälte halten eine deutlich geringere Strafe für ausreichend.

Mit stockender Stimme sprach der Angeklagte Carsten S. seine letzten Worte zum Verfahren. „Auf der Suche nach mir bin ich in eine falsche Richtung gelaufen“, sagte S. Er hatte gestanden, dem NSU die Mordwaffe Ceska 83 geliefert zu haben. Mit der Pistole erschossen Böhnhardt und Mundlos neun Migranten türkischer und griechischer Herkunft.

Ralf Wohlleben hingegen, Ex-Vizechef der Thüringer NPD, schloss sich nur den Ausführungen seiner drei Verteidiger an. Wohlleben bestreitet, die Beschaffung der Ceska 83 eingefädelt und das Geld für den Kauf gegeben zu haben. Der Angeklagte Holger G., der dem NSU unter anderem mit einem Reisepass und einem Führerschein half, entschuldigte sich bei den Hinterbliebenen der Ermordeten. Zu Beginn des Prozesses hatte G. ein Geständnis verlesen, danach sagte er außer an diesem Dienstag nichts mehr. Der fünfte Angeklagte, André E., schwieg auch jetzt wie an allen Prozesstagen zuvor. Die Bundesanwaltschaft hält ihm vor, den NSU jahrelang unterstützt und das Wohnmobil gemietet zu haben, das Böhnhardt und Mundlos für ihren ersten Sprengstoffanschlag in Köln nutzten.

Im größten deutschenTerrorprozess seit der Wiedervereinigung ist die Rekordzahl von 94 Nebenklägern zugelassen. Die Angehörigen der Ermordeten und die überlebenden Opfer werden von 59 Anwälten vertreten. Frank Jansen, München,

und Matthias Meisner, Berlin