Warnung vor 500er-Scheinen : Wohin mit so viel Geld?

Rainer Woratschka

Kleiner Tipp an alle, die zum Monatsbeginn wieder ein bisschen was auf dem Konto haben: Heben Sie an einem Geldautomaten möglichst nicht mehr als 495 Euro ab. Zumindest nicht, wenn sich Ihre Hausbank nicht in unmittelbarer Nähe befindet.

Der Kunde, von dem wir berichten wollen, hat dummerweise versucht, sich von einem nur im Bankenverbund befindlichen Automaten tausend Euro auszahlen zu lassen. Noch dazu zu abendlicher Stunde. Er erhielt erst mal zehn Fünfziger – und dann einen lilafarbenen, etwas größeren Schein, den er nie zuvor gesehen hatte. 500 steht drauf, daneben hässlich-moderne Architektur.

Weil dem Kunden das nicht geheuer war, hat er noch am selben Abend versucht, den Schein in Verkehr zu bringen. Im Supermarkt erklärten sie, unmöglich so viel Wechselgeld rauszurücken. An der Tanke waren sie drauf und dran, die Polizei zu rufen. Am Kiosk nehmen sie nicht mal Hunderter. Die Ehefrau will den Fünfhunderter auch nicht. Und ein Autokauf ist grade nicht geplant.

Am nächsten Morgen also zur Geldautomaten-Bank. Leider öffnet die erst um neun und will mittags auch nicht gestört werden. Und leider warten dort schon zwei Kunden auf die einzige Mitarbeiterin, die sich noch Publikumsverkehr antut. Der Mensch mit dem Geldschein- Problem nutzt die Wartezeit zur Internetrecherche. Die Fünfhunderter befänden sich „zu 90 Prozent“ im Besitz von Kriminellen und Geldwäschern, erfährt er dort. Und dass die Europäische Zentralbank deshalb schon vor zwei Jahren beschlossen hat, die Dinger aus dem Verkehr zu ziehen. Ende 2018 soll es so weit sein. EZB-Chef Mario Draghi findet sogar, dass man auch die Zweihunderter abschaffen sollte.

Nein, sie könne den Schein nicht wechseln, erklärt die Bankmitarbeiterin nach einer Dreiviertelstunde. Die Filiale habe keine Kasse. Und einzahlen gehe auch nicht, da der Automatenkunde ja kein echter Kunde sei. „Wenn Sie ein Konto bei uns hätten, wäre alles einfacher.“ Aber selbst dann müsste man erneut an den Automaten. Was, wenn der wieder Fünfhunderter spuckt? Schulterzucken.

Befragung im Bekanntenkreis. Die Bundesbank hat in Berlin eine Filiale. Ebenfalls schwierige Öffnungszeiten. Aber die nähmen den Schein mit Sicherheit. Wenn er denn echt sei.

Die Geschichte ging gut aus. Die Riesenbanknote hat dem zeitweiligen Besitzer zwar nicht zu lebenslangem Glück verholfen wie in Mark Twains „The Million Pound Bank Note“. Doch die Hausbank, leider auch etliche Kilometer entfernt, hat sich erbarmt. Der Kunde durfte seinen Fünfhunderter dort nach etwas Stirngerunzel einzahlen – und hat beim anschließenden Abheben ausschließlich Fünfziger rausbekommen. Allerdings hatte er diesmal auch nur 450 Euro angefordert. Vorsichtshalber. Rainer Woratschka