Überregionales : VW-Chef Müller wird abgelöst

Markenchef Diess Nachfolger / Unternehmen will Neuanfang nach Dieselskandal

Müller
Müller

Berlin - An der Spitze des VW-Konzerns kommt es zu einem überraschenden Wechsel. Matthias Müller soll nach übereinstimmenden Berichten durch VW- Markenchef Herbert Diess (59) abgelöst werden. Der Aufsichtsrat könnte bereits an diesem Freitag darüber entscheiden. Der Vertrag des 64-jährigen VW-Chefs läuft eigentlich noch bis 2020.

Volkswagen hatte am Dienstag lediglich angekündigt, man prüfe „eine Weiterentwicklung der Führungsstruktur“. Dies schließe Änderungen bei den Verantwortlichkeiten ein, jedoch womöglich auch „eine Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden“. Auch die Muttergesellschaft Porsche SE teilte mit, Veränderungen im VW-Vorstand könnten auch zu Änderungen im Vorstand bei der Porsche SE führen. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche SE hält gut 52 Prozent der Stimmrechte an Volkswagen. Zu den Hintergründen und einer Ablösung Müllers wollten sich die Unternehmen nicht äußern. Das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an Volkswagen hält, lehnte einen Kommentar ebenfalls ab. Die VW-Aktie reagierte mit einem Kurssprung.

Dem Vernehmen nach haben die Vertreter der Familien Porsche und Piëch sowie des Landes Niedersachsen und Katars wiederholt über einen Wechsel an der Spitze des Vorstandes diskutiert. Dabei sei die Erkenntnis gereift, dass der Konzern nach der weitgehenden Aufarbeitung des Dieselskandals einen Neuanfang benötige. Diess kam 2015 von BMW und handelte unter anderem das Reform- und Sparprogramm „Zukunftspakt“ mit dem Betriebsrat aus. Müller hatte zuletzt gesagt, er wolle mit dem Aufsichtsrat über eine Verjüngung der VW-Führung sprechen.

Insidern zufolge ist der Führungswechsel im Rahmen eines größeren Konzernumbaus zu sehen. Müller habe seine „grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken“, erklärte VW.

„Dass ein Konzernchef nach Rekordgewinnen gefeuert wird, ist mindestens ungewöhnlich“, sagte Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag. Dass Müller den Mut gehabt habe, mit Tabus in der Branche zu brechen und die Abschaffung des Dieselprivilegs und die Einführung der Blauen Plakette zu fordern, „dürfte zusätzlich den Zorn des Wolfsburger VW-Establishments hervorgerufen haben“, sagte Krischer. mot/HB/dpa

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