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Vor allem der Osten ist abgehängt : Nur 16 Prozent der Schulen auf dem Land haben schnelles Internet

Der Digital-Unterricht ist in Corona-Zeiten wichtiger denn je. Doch die Schulen, besonders in Ostdeutschland, sind kaum dafür ausgestattet.

Schüler arbeiten in einer Grundschule im bayerischen Offenstetten arbeiten mit Tablets.
Schüler arbeiten in einer Grundschule im bayerischen Offenstetten arbeiten mit Tablets.Foto: picture alliance/dpa/Armin Weigel

Kurz vor dem Ende der Sommerferien in Berlin und Brandenburg ist ungewiss, wie es im Herbst mit dem Schulbetrieb weitergeht. Wird angesichts steigender Corona-Infektionszahlen ein neuer Lockdown nötig sein? Wird der Unterricht dann wieder online stattfinden müssen? Und sind die Schulen darauf überhaupt vorbereitet?

Besonders in Brandenburg dürfte es im Fall neuer Schulschließungen schwierig sein, die Schülerinnen und Schülerinnen übers Internet zuverlässig mit Lernstoff zu versorgen – vor allem außerhalb der Städte. Nur 2,6 Prozent der Schulen in Brandenburgs Landgemeinden verfügen über eine Internetverbindung im Giga-Bereich, also mit einer Übertragungsrate von mindestens 1000 Mega-Bits pro Sekunde. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Der ländliche Raum in Brandenburg ist damit das Schlusslicht in Sachen Digitalisierung der Schulen – und steht beispielhaft für ein bundesweites Problem: Der Anschluss der Schulen ans Glasfasernetz kommt nur schleppend voran. Mehr als 33000 Schulen gibt es in Deutschland. In nur rund 12 000 gibt es schnelles Internet. Von den 4000 Berufsschulen hat die Hälfte einen hochwertigen Zugang zum Netz, bei den Grundschulen gilt das nur für jede dritte.

„Ein Desaster“

„Dass die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag gesteckten Ziele offenbar erneut nicht erreicht, ist ein Desaster“, sagt Katja Suding, stellvertretende Fraktionschefin der FDP im Bundestag. „Die Versorgung von Schulen mit Hochgeschwindigkeits-Internet ist eine notwendige Bedingung für hochwertige digitale Lehrkonzepte.“

Katja Suding ist stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.
Katja Suding ist stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion im Deutschen Bundestag.Foto: imago images/Christian Spicker

Union und SPD hatten zu Beginn der Legislaturperiode versprochen, „unterversorgte Gebiete in ländlichen Regionen“ mit High-Tech-Verbindungen auszustatten – und vor allem Schulen „direkt an das Glasfasernetz“ anzubinden. Das erklärte Ziel der großen Koalition war, „dass die Schülerinnen und Schüler in allen Fächern und Lernbereichen eine digitale Lernumgebung nutzen können, um die notwendigen Kompetenzen in der digitalen Welt zu erwerben“.

Fünf Milliarden Euro will der Bund im Rahmen des „Digitalpakts Schule“ innerhalb von fünf Jahren dafür investieren. 3,5 Milliarden Euro sollten laut Koalitionsvertrag noch in dieser Legislaturperiode fließen; wegen Corona wurde der Betrag im Frühling 2020 um 1,5 Milliarden Euro aufgestockt.

Die Bilanz des Vorhabens fällt kurz vor Ende der Wahlperiode allerdings ernüchternd aus. Gerade einmal 37 Prozent der Schulen in Deutschland sind mit schnellem Internet ausgestattet. Am größten ist der Mangel auf dem Land. So haben bundesweit 70 Prozent der Großstadt-Schulen schnelles Internet, aber nur 16 Prozent der Einrichtungen auf dem Land.

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Vor allem der ländliche Raum im Osten ist in der digitalen Bildung abgehängt. Während in Berlin 70 Prozent der Schulen schnelles Internet haben, sind es in Thüringens Landgemeinden nur 4,3 Prozent. In der sächsischen Provinz sind es acht, auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern knapp 13 Prozent der Schulen.

Auch die ostdeutschen Städten hinken hinterher. In den größeren Kommunen von Thüringen und Sachsen-Anhalt haben weniger als 30 Prozent der Schulen eine schnelle Internetverbindung – in den Großstädten von Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil bei mehr als 60 Prozent.

Großes Stadt-Land-Gefälle auch im Westen

Doch auch im Westen gibt es Nachholbedarf. So haben in Baden-Württemberg nur 25 Prozent der Großstadt-Schulen einen schnellen Netzzugang. In Bayern verfügen zwar 80 Prozent der Schulen in den Metropolen über einen hochwertigen Internetanschluss, aber nur jede fünfte auf dem Land. In Hessen haben weniger als sieben Prozent der Schulen in den Landgemeinden schnelles Internet.

„Die negativen Auswirkungen auf die Bildungschancen unserer Kinder und Jugendlichen, insbesondere von benachteiligten Kindern, sind gravierend“, sagt die FDP-Politikerin Suding. „Es muss jetzt endlich dafür gesorgt werden, dass die bereit liegenden Mittel aus dem Breitbandförderprogramm schnellstmöglich an die Schulen fließen.“

Vom Ziel, in dieser Wahlperiode fünf Milliarden Euro in die Digitalisierung der Schulen zu investieren, ist die Bundesregierung weit entfernt. Fast 500 Millionen Euro hat der Bund bis Ende 2020 dafür ausgegeben; weitere 740 Millionen Euro sind bewilligt. Damit das schnelle Internet aber auch in jeder Schule ankommt, müssen die Städte und Gemeinden das Geld auch ausgeben.

Sie habe „ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt, um für alle Schulen in Deutschland den benötigten Anschluss zu fördern“, betont die Bundesregierung. „Die Antragstellung obliegt den für die Umsetzung der Projekte verantwortlichen Kommunen.“

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