Von Thorsten Metzner : Spatenstich für Landtagsschloss Potsdam

Freude und Proteste beim Baustart / Schaustelle auf dem Alten Markt eröffnet

Erste Schippe. Der dreijährige Michael Brüggen machte am gestrigen Donnerstag in Potsdam vor dem offiziellen Spatenstich zum Landtagsneubau schon mal einen ersten Versuch. Mit dem symbolischen Start beginnen jetzt die Bauarbeiten für das neue brandenburgische Parlament.
Erste Schippe. Der dreijährige Michael Brüggen machte am gestrigen Donnerstag in Potsdam vor dem offiziellen Spatenstich zum...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Baustart für den Aufbau des Potsdamer Stadtschlosses: In der brandenburgischen Hauptstadt haben am Donnerstag offiziell die Arbeiten für das künftige Parlamentsgebäude begonnen, das bis 2013 in der Hülle des einstigen Knobelsdorffschen Wahrzeichens auf dem Alten Markt errichtet wird. Nun verheile „endlich die Narbe in Potsdams Mitte“, sagte Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD). Und Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) schwärmte: „Potsdam erhält den schönsten Platz Europas zurück.“ Zudem komme das bisher „entrückte“ Parlament, das seit 20 Jahren in der früheren SED-Bezirksleitung abseits auf dem Brauhausberg provisorisch untergebracht ist, näher zu den Menschen. „Jetzt kann man sich auf Augenhöhe begegnen“, sagte Platzeck. „Auch bei Demonstrationen.“

Einen Vorgeschmack darauf gab es schon vor dem Fortunaportal beim symbolischen ersten Spatenstich und der Eröffnung der „Schaustelle“, was nicht nur rund dreihundert Schaulustige verfolgten: Eine Bürgerinitiative protestierte mit Transparenten wie „Stasi raus“ gegen Platzecks rot-rote Regierung. Unter dem Motto „Freiräume statt Schlossträume“ forderten zwei Dutzend Jugendliche aus der alternativen Szene einen Verzicht auf das Schloss, während sich Aktive von Schloss-Verein und „Mitteschön“ mit Zwischenrufen über Abweichungen vom Knobelsdorff-Original beklagten.

Und diese Debatte geht in Potsdam unvermindert weiter, obwohl das Landtagsgebäude durch eine 20-Millionen-Spende von Hasso Plattner doch noch die frühere Schlossfassade und das historische Treppenhaus erhält.

Plattner selbst meldete sich mit einer Erklärung: Er freue sich „besonders für die Potsdamer, die das Stadtschloss in der alten Form (Knobelsdorff-Fassade) wiederhaben wollten und die Brandenburger, die ein neues funktionsgerechtes Parlamentsgebäude bekommen“. Nur mit einer bedeutenden Aufgabe des Gebäudes „kann es wieder zum Zentrum der Stadt werden“. Er hoffe, „dass die notwendigen Kompromisse den großartigen Gesamteindruck nicht schmälern“. Und Kompromisse sind nach Worten des Architekten Peter Kulka aus finanziellen und funktionalen Gründen nötig. „Wer will etwa schon frieren wie Friedrich der Große?“, sagte Kulka. Er sei trotz der teils heftigen Kritik an seinem Entwurf nicht ernüchtert von Potsdam. „Es zeugt doch von demokratischem Engagement.“ Fritsch merkte an, dass in Elbe-Elster oder der Uckermark die Potsdamer Detail-Debatten auf Unverständnis stießen. Und der in der Regierung für das Projekt zuständige Linke–Finanzminister Helmut Markov erinnerte in seiner Rede daran, dass es auch in Paris vor dem Bau des Eiffelturms massive Proteste von Intellektuellen gegeben habe. Er sei sicher, dass die Potsdamer „stolz auf das Gebäude“ sein werden, das „moderne und wunderbare alte Architektur“ verbinde, sagte Markov. „Es soll eine Lücke schließen, die der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsentwicklung gerissen hat.“ Auf die direkte Verantwortung der SED ging Markov allerdings nicht ein, was für Unverständnis bei einigen sorgte. Das Potsdamer Stadtschloss war Ende des zweiten Weltkriegs beschädigt und später auf Geheiß des Politbüros als preußisches Relikt abgerissen worden, obwohl es selbst nach Expertisen der damaligen DDR-Denkmalpflege hätte gerettet werden können. Nach 1989 hatte die damalige PDS fast eineinhalb Jahrzehnte gegen einen Aufbau des Schlosses gekämpft, für den sich erst 2005 eine breite Mehrheit auch in der Stadtverordnetenversammlung fand.

Der Schloss-Landtag wird in sogenannter öffentlich-privater Partnerschaft von der BAM Deutschland AG errichtet, die es baut und dann 30 Jahre betreibt. BAM-Vorstand Alexander Naujoks, dem Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD die Baugenehmigung überreichte, sprach von einem der „derzeit spannendsten Bauvorhaben in der Bundesrepublik“. Er versicherte erneut, dass die einheimische Bauwirtschaft bei dem 120-Millionen-Euro-Vorhaben einbezogen werde. „Man kann sich direkt bei uns oder über die Kammern bewerben.“

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