Von Thorsten Metzner : 155 Millionen für Preußens Schlösser

Bund, Berlin und Brandenburg besiegeln Sonderinvestitionsprogramm / Dorgerloh: „Meilenstein“

Potsdam - Sanssouci, ohne Sorge, bald wird es soweit sein: Marode preußische Königsresidenzen wie in Potsdam das Neue Palais und das Schloss Babelsberg, wie in Berlin das Schloss Charlottenburg können jetzt mit einem 155-Millionen–Programm bis zum Jahr 2017 gerettet werden. Am Dienstag unterzeichneten in Potsdam Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), Berlins Regierender Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) das Abkommen für ein „Sonderinvestitionsprogramm“ zur Rettung der Kulturgüter. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung sprach erleichtert von einem „Meilenstein“. Sonst, so seine Botschaft, „wäre Substanz, die zum UNESCO-Erbe gehört, unwiederbringlich verloren gegangen.“ Nachdem seit 1990 viel Geld in marode Schlösser der Mark, wie in Caputh oder Rheinsberg, investiert wurde, gehe es nun um den Kernbestand der Stiftung. Erst Dorgerlohs Alarmruf vor einigen Jahren, der auf den dramatischen Verfall in den Schlössern Potsdams und Berlins aufmerksam machte, hatte die Politik überhaupt aufgeschreckt.

Nun hob Kulturstaatsminister Neumann das überdurchschnittliche Engagement des Bundes hervor, „obwohl für Kultur die Länder zuständig sind.“ Es gehe für den Bund aber um die Pflege nationalen Erbes - und um eine wichtige Balance. „Man kann nicht hunderte Millionen in den Aufbau des Berliner Stadtschlosses investieren, ins Humboldtforum, wenn zugleich vorhandenes Kulturgut verfällt.“ Er merkte an, dass die 77 Millionen des Bundes schon seit 2007 bereit standen, aber Berlin und Brandenburg Schwierigkeiten hatten, ihre Eigenanteile aufzubringen. Potsdam steuert nun 54 Millionen Euro bei, Berlin knapp 24 Millionen Euro. Es seien, so Platzeck, „große Summen“ in Zeiten knapper Kassen – und zwar zusätzlich zum 32-Millionen-Jahresetat der Stiftung, die 700 Hektar Parks und über 300 Baudenkmäler der Hauptstadtregion in ihrer Obhut hat. „Das Sonderprogramm gibt uns endlich Planungssicherheit. Es versetzt uns erstmals in die Lage, 13 Großprojekte gleichzeitig in Angriff zu nehmen“, erklärte Dorgerloh.

Jetzt kann in Potsdam, wo sich das Gros der Stiftungsschlösser befindet, das Schloss Babelsberg eine erneuerte Fassade erhalten - und insbesondere das Neue Palais zur Baustelle werden, schon lange das größte Sorgenkind der Denkmalpfleger. 25 Millionen Euro sind bis 2017 für die dringendsten Rettungsmaßnahmen vorgesehen. Die Restauratoren stehen dabei vor der Herausforderung, die vom Hausschwamm befallenen Decken zu erneuern – und dabei weder Deckengemälde des unteren Muschelsaals noch den filigranen Parkett- und Marmorfußboden der oberen Etage aufzunehmen. Das Schloss sei bislang „nur zu 30 Prozent der Öffentlichkeit“ zugänglich, weil Teile baupolizeilich gesperrt werden mussten, sagte Dorgerloh. Im Zuge der Sanierung solle das Neue Palais aber auch die fehlende moderne Besucherbetreuung mit Toiletten, Gastronomie, Museumsshop erhalten. Es ist auch ein wirtschaftlicher Faktor: Jährlich besuchen immerhin sieben Millionen Gäste die Königsschlösser und Parks in Berlin und Potsdam. Auch Wowereit war zufrieden: In Berlin kann nun die insgesamt 87 Millionen Euro teure Grundsanierung des Schlosses Charlottenburg angepackt werden, eine „dringende Aufgabe“, wie er sagte. Laut Dorgerloh sollen bis 2017 rund 25 Millionen in Fassaden, das Dach, die technische Ausstattung des im Krieg zerstörten und danach neu aufgebauten Schlosses erneuert werden. Weitere 4 Millionen fließen ins Schloss auf der Pfaueninsel, 2,8 Millionen bis 2011 ins Jagdschloss Grunewald, in das dann auch die bedeutende Cranach-Sammlung zurückkehren wird.