Von Thomas Lähns : Es ist nicht alles Kiefer

Die Beelitzer Kita „Sonnenschein“ hat eine Allee mit 23 verschiedenen Baumarten im Stadtwald gepflanzt

Im Freien: Die Kinder der Waldkita in Beelitz.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thomas Lähns
05.04.2011 12:42Im Freien: Die Kinder der Waldkita in Beelitz.

Beelitz – Etwas eklig sieht er schon aus, der schwarze Käfer, den die Kinder da im Unterholz entdeckt haben. Und zumindest für Insekten ist der Puppenräuber auch tatsächlich kein angenehmer Zeitgenosse: „Der frisst den Nachwuchs von anderen Käfern“, erläutert Förster Martin Schmitt den staunenden Knirpsen – und setzt sogleich hinzu: „Deshalb ist er sehr nützlich für den Wald.“ Schmitt lässt das mehrere Zentimeter große Tier über seine Hände krabbeln. Damit zeigt er, dass man vor solchen Insekten keine Angst haben muss und bestätigt die Kinder in ihrem unvoreingenommenen Blick. Denn die Nähe zur Natur gehört für die Beelitzer Kita „Sonnenschein“ zum pädagogischen Konzept – und damit zum Alltag. Gestern wollten die Kinder der Natur etwas zurückgeben: Im Stadtwald haben sie Bäume gepflanzt.

Schwarzpappeln, Rosskastanien und ein Bergahorn liegen neben vorbereiteten Löchern im Kiefernforst an der Straße nach Fichtenwalde, insgesamt sind es 23 Arten. Daneben haben die Mitarbeiter von Förster Schmitt bereits Tafeln mit Infos zu den jeweiligen Gehölzen aufgestellt. Seit 1989 wählt ein Kuratorium den deutschen Baum des Jahres. Jeder davon soll nun einen Platz in der Stadtwald-Galerie finden, künftig kommt jährlich ein weiterer dazu. Konkreter Anlass für die Aktion ist das Internationale Jahr der Wälder 2011. Während die Kinder bereits durch das Pflanzen der Setzlinge Interesse entwickeln, soll die Allee künftig auch Joggern und Spaziergängern die Vielfalt der märkischen Forste vor Augen führen. „Der Wald hat für die Beelitzer vor allem Erholungswert und wird hier rege genutzt“, sagt Bürgermeister Bernhard Knuth (BBB), der den Kugelschreiber heute gegen einen Spaten eingetauscht hat. „Hallo Bürgermeister“, wird er von den Kindern begrüßt.

Knuth koordiniert einen der fünf Pflanz-Trupps, die anderen folgen Förster Schmitt oder einer der Erzieherinnen. Gemeinsam werden die Bäume gesetzt, die Löcher mit kleinen Schippen zugeschaufelt, der Sand festgetreten und die Pflanzen schließlich gegossen. „Guckt mal, der Baum hier soll 30 Meter hoch wachsen“, staunt der Rathauschef vor der Echten Walnuss. „Wie hoch sind denn die anderen Bäume hier?“, fragt eines der Kinder. Es gibt hier allerhand zu entdecken, vor allem im Kleinen. Dazu gehören Insekten, aber auch Pflanzen am Boden. Die Kinder kennen schon einige davon, immerhin sind sie heute nicht zum ersten Mal hier. Oft sind die Gruppen auf dem Waldspielplatz ganz in der Nähe, und mindestens einmal pro Woche gibt es in der Kita Sonnenschein einen Naturerlebnistag, wie Kita-Leiterin Christel Weith berichtet. Förster Schmidt ist seinerseits oft mit Beelitzer Kindern unterwegs. „Waldpädagogik“ heißt der Ansatz, mit dem in Kitas und Schulen mehr Verständnis für die Natur geweckt werden soll.

Es ist nicht alles Kiefer im Märkischen – obwohl Martin Schmitt den Anteil des Brandenburg-typischen Baumes im Stadtwald auf immer noch 98 Prozent beziffert. Stück für Stück soll die Monokultur aber aufgelockert werden. Kiefernwälder, die älter als 80 Jahre sind, werden dafür mit Eichen untersetzt. Auch hier, gegenüber der Bundeswehrkaserne, befinden sich zahlreiche Laubpflänzchen zwischen den hohen Nadelbäumen. Die wurden nicht gesetzt, sondern haben sich auf natürlichem Wege entwickelt – aus Vorräten des Eichelhähers, die er nicht mehr wiedergefunden hat. „Normalerweise würde der Waldumbau auf natürlichem Wege funktionieren, allerdings gibt es hier sehr viel Wild“, erläutert der Förster. Und so hat man über die Pflanzen grüne Wuchshüllen gestülpt. Welches Wild hier unterwegs ist, lernen die Kinder anhand von Geweihen, die Schmitt mitgebracht hat. Rot- und Damhirsch kennen die meisten schon – wie es sich für richtige Naturkinder gehört.