• Von Sabine Schicketanz: Wissenschaftsrat: Private Elite-Uni ähnelt „Titelfabrik“ Bundesgremium verweigert Potsdamer „University of Management and Communication“ Akkreditierung

Von Sabine Schicketanz : Wissenschaftsrat: Private Elite-Uni ähnelt „Titelfabrik“ Bundesgremium verweigert Potsdamer „University of Management and Communication“ Akkreditierung

Potsdam - In Potsdam gerät eine private Elite-Hochschule in Turbulenzen. Der Wissenschaftsrat des Bundes hat der „University of Management and Communication“ (UMC) wegen „schwerwiegender Defizite“ die Akkreditierung verweigert. Damit verliert die Einrichtung mit 330 Studenten, die monatlich 590 bis 780 Euro Studiengebühren zahlen, die staatliche Anerkennung als Hochschule. Dies bestätigte das brandenburgische Wissenschaftsministerium am Donnerstag auf PNN-Anfrage. „Die Praxis der UMC ist geeignet, den Eindruck einer ,Titelfabrik’ zu erwecken“, heißt es etwa in der Stellungnahme des Wissenschaftsrates, die den PNN vorliegt.

Die UMC entspreche gegenwärtig „nicht den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule“, so der Wissenschaftsrat. Die Mängel seien zu zahlreich und schwerwiegend, als dass sie durch Auflagen zu heilen seien. Die UMC sei „wiederholt durch rechtlich nicht korrekte Handlungsweisen“ aufgefallen – insbesondere seien Vorschriften zur Titelführung ihrer hauptberuflichen Professoren missachtet worden. In „inakzeptablem Maß“ habe die UMC Honorar- und Nebenerwerbsprofessuren vergeben.

Die UMC hat 2005 ihren Studienbetrieb aufgenommen. Sie ist aus dem PR Kolleg Berlin hervorgegangen, wurde 2003 als gemeinnützige GmbH gegründet und hat neben dem Hauptsitz in Potsdam Depandancen in Berlin-Mitte und Neuruppin. Die UMC versteht sich als Partnerhochschule der Wirtschaft; Lehrziel ist die praxisnahe Integration von Management und Kommunikation.

An der UMC sind nach Angaben des Wissenschaftsrats Anfang 2009 14 Professoren hauptberuflich tätig gewesen, dazu elf als Honorarprofessoren sowie 19 Professoren im Nebenerwerb, so der Wissenschaftsrat. Das Verhältnis von hauptberuflichen zu Honorarprofessuren liege damit bei eins zu eins – im Kontrast zum bundesweiten Hochschul-Durchschnitt von eins zu 25. Von den 14 hauptberuflichen Lehrkräften sei lediglich eine nach einer Ausschreibung verpflichtet worden. Ansonsten seien „persönlich bekannte, dem Gründungskreis angehörende oder nahestehende Personen zu Professoren bestallt“ worden. Dieses Vorgehen sei „zweifelhaft“, so die Kritik. „Nicht hinnehmbar“ ist laut Wissenschaftsrat, dass die UMC „gute Kontakte zur Wirtschaft (…)“ über „die Vergabe von Nebenerwerbs- und Honorarprofessuren“ pflege. Auch agiere die UMC für eine Hochschule „durchgängig zu wenig verlässlich“. Es fehle Prozesssicherheit und „Offenheit nach außen“, so die Stellungnahme. Das Leitbild sei als „überladen und ausufernd“ zu bemängeln. Wie die UMC die zahlreichen geplanten Studiengänge „wissenschaftlich durchdringen“ könnte, sei „nicht zu erkennen“.

UMC-Präsident Eberhard Knödler-Bunte bezeichnete die Entscheidung des Wissenschaftsrats am Donnerstag auf PNN-Anfrage als unerwarteten „herben Rückschlag“ und Reputationsverlust. Viele der aufgeführten Mängel habe die UMC allerdings bereits beseitigt. Die Vorschriften zur Titelführung der Professoren würden beachtet, so Knödler-Bunte. Die UMC habe zuvor „nicht in der Hand gehabt, ob einer unserer Professoren den Titel vor den Namen setzt“, was nicht erlaubt sei. Die Posten würden ausgeschrieben, obwohl dies für private Hochschulen nicht Pflicht sei. Aus der UMC-Gründungszeit seien „nur vier Personen“ beschäftigt worden. Honorar- und nebenberufliche Professuren seien notwendig, um den modernen Studienrichtungen Rechnung zu tragen, so der Präsident. Deshalb hole die UMC Persönlichkeiten aus der Wirtschaft an die Hochschule. Knödler-Bunte selbst gilt als gut vernetzt in Brandenburg. Auf seinem Anwesen in der Uckermark hatte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) im Sommer 2008 seine Hochzeit gefeiert.

Konsequenzen hat die Entscheidung des Wissenschaftsrats nur für die derzeit immatrikulierten Studenten nicht. Für sie gelte „Bestandsschutz“, so das Wissenschaftsministerium. Abschlüsse und Bafög-Ansprüche blieben erhalten.

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