Von Michael Schmidt : Keine schweren Panzer für Afghanistan

Ministerium hat nicht vor, den Leopard 2 einzusetzen / Königshaus bekräftigt dagegen seine Forderung

Michael Schmidt

Berlin - In der Debatte über die Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan hat das Verteidigungsministerium am Mittwoch mitgeteilt, dass es zurzeit keine Pläne zur Verlegung von Leopard-2-Panzern, schwerer Artillerie oder Kampfhubschraubern in das Land gebe. Der Sprecher von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mahnte, die Diskussion über die Ausrüstung von der Analyse des Gefechts vom Karfreitag zu trennen. Die Analyse der Vorgänge sei noch nicht abgeschlossen. Bei den Gefechten sei auf Luftunterstützung verzichtet worden, um die Zivilbevölkerung aber auch die eigenen Truppen zu schützen. Die neue Debatte über die Ausrüstung der Bundeswehr war entbrannt, nachdem am Karfreitag bei stundenlangen Gefechten mit den radikalislamischen Taliban nahe Kundus drei Bundeswehrsoldaten getötet wurden. Acht weitere wurden bei den Kämpfen zum Teil schwer verletzt.

Der designierte Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP) wies Kritik an seiner Forderung zurück, die Bundeswehr müsse in Nordafghanistan auch den Kampfpanzer Leopard 2 einsetzen. „Die Niederländer, Kanadier und Dänen setzen den Leopard-2-Kampfpanzer ein – so ganz ungeeignet kann er also nicht sein“, sagte Königshaus dieser Zeitung. Auch und gerade im Raum Kundus sei die Topografie kein Grund, die Kampfpanzer zu Hause zu lassen. „Dort ist es nicht gebirgig, Flugplatz und Feldlager liegen auf einer Hochebene, nichts spricht gegen ihren Einsatz.“ Seit Mitte 2007 setzen die Kanadier in ihrem Einsatzgebiet in Südafghanistan 20 Leopard-2-Panzer ein – kostenlos ausgeliehen von Deutschland.

Fachpolitiker fordern inzwischen von Guttenberg verstärkt, Ausrüstungsmängeln mit größerem Nachdruck zu begegnen. Zwar dürfe man nicht so tun, „als ob sich durch anderes Gerät Vorfälle wie die vom Karfreitag verhindern ließen“, sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold. Zur Ehrlichkeit gehöre es zu sagen, „dass so etwas passieren kann“. Wenn die Bundeswehr aber, wie seit Jahren bekannt, Transport- und Kampfhubschrauber brauche, die Wirtschaft jedoch „nicht oder nicht schnell genug“ liefern könne, dann erwarte er vom Verteidigungsminister, „dass er mit mehr Engagement Austausch und Kooperation mit den Alliierten sucht“. Der Nato-Einsatz in Afghanistan sei eine gemeinsame Aufgabe, die gemeinsam gelöst werden müsse.

FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff forderte Guttenberg auf, „die Lage vor Ort zu analysieren, sich mit den Berichten der Militärs auseinanderzusetzen und Mängel zu beseitigen“. Die Bundeswehr müsse in der Lage sein, „selbst den Luftraum zu überwachen und ein Lagebild zu erstellen, ohne sich immer auf die Verbündeten zu verlassen“. Vor allem müsse der Minister prüfen, ob der zur Zeit von der Bundeswehr getestete Kampfhubschrauber Tiger überhaupt einsatzfähig sei. Sollte das, „wie zu erwarten“, nicht der Fall sein, weil bei der Bestellung die Frage der Bewaffnung noch keine Rolle gespielt habe, müsse Guttenberg dafür sorgen, dass der Hubschrauber „unverzüglich nachgerüstet und dann sofort zur Verfügung gestellt wird – nicht erst in vier bis fünf Jahren“.