Überregionales : Villa Schöningen wird Kulturzentrum

Springer-Chef Döpfner ist neuer Besitzer des Potsdamer Welterbe-Denkmals an der Glienicker Brücke

Potsdam - Brandenburgs Landeshauptstadt bekommt ein Stück Welterbe zurück: Die seit der Wende dem Verfall preisgegebene Villa Schöningen direkt an der Glienicker Brücke wird saniert. Die neuen Eigentümer, Axel Springer AG-Vorstandschef Mathias Döpfner und Bankier Leonhard H. Fischer, wollen aus der 1844/45 von Ludwig Persius erbauten Villa, die zum Unesco-Welterbe gehört, ein öffentliches Kulturzentrum mit Restaurant machen. Es soll spätestens im Sommer 2009 eröffnet werden.

Die Sanierung werde einen „nennenswerten Millionenbetrag“ kosten, sagte Döpfner, der gestern zusammen mit Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) seine Pläne vorstellte. Jakobs zeigte sich „sehr froh“ über den Verkauf: „Damit kann eines der wichtigsten Kulturgüter der Stadt erhalten werden.“ Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte den PNN: „Das ist die schönste Meldung der letzten Zeit für die Entwicklung von Potsdam.“

Vorbild für die Villa Schöningen soll laut Döpfner die „Villa Kellermann“ am Heiligen See sein – bisher eine feste Adresse für Prominenz und Künstler, die wegen Eigentümerwechsels wohl Ende des Jahres schließen muss. Träger des Kulturzentrums werde möglicherweise eine Stiftung, sagte Döpfner. Welche Künstler sich präsentieren, möchten die neuen Eigentümer selbst entscheiden. Zu Döpfners Vorhaben gehört außerdem der Neubau eines modernen Wohnhauses im hinteren Teil des 6000 Quadratmeter großen Grundstücks am Jungfernsee. Der Garten der Villa soll wieder hergestellt werden.

Als Grund für sein Engagement nannte Döpfner, der seit neun Jahren in Potsdam lebt, die Beziehung zu seiner Wahlheimat: „Ich fühle mich in Potsdam unglaublich wohl – ich liebe diese Stadt.“ Die Villa Schöningen habe er bereits seit langem kaufen wollen. Zum Kaufpreis äußerte Döpfner sich nicht.

Mit dem Verkauf geht ein jahrelanger, teils erbitterter Streit um das Denkmal an der Glienicker Brücke zu Ende. Denn der Berliner Bauunternehmer und Architekt Dieter Graalfs, dem die Villa seit 1995 gehörte, hatte das Bauwerk nicht saniert. Im vergangenen Jahr scheiterten seine Pläne, fünf Stadtvillen auf dem Grundstück der historischen Villa zu errichten. Die Potsdamer Stadtverordneten lehnten das Vorhaben mit Verweis auf eine Gefährdung des Unesco-Welterbes ab – als Reaktion stellte Graalfs einen Abrissantrag für die Villa Schöningen.

Dieser ist nun vom Tisch. Stattdessen sollen die Potsdamer bei der Wiedergewinnung der „Visitenkarte Potsdams“ mitwirken. Er sei „auf die Anregungen der Potsdamer gespannt“ und werde versuchen, Briefe und E-Mails „persönlich zu beantworten“, so Döpfner. Eine Baugenehmigung und den nötigen Bebauungsplan gibt es noch nicht. Die Potsdamer Denkmalpflege und die Baubehörde signalisierten gestern aber bereits Zustimmung. Döpfner sagte, er hoffe auf die „nötige Verantwortung“ auch der Stadtverordneten. Sein Kaufvertrag enthalte keine Rücktrittsklausel.

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