Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Auf Özil warten und der Kanzlerin eine Auszeit gönnen

Die USA verhängen Sanktionen gegen zwei türkische Minister. Macht man das jetzt so in der Nato?

In der Nato nicht, aber doch mit einem treulosen Partner, der diverse Amerikaner als Geiseln eingekerkert hat, Amerikas kurdische Verbündete in Syrien dezimiert, nach Russland abzudriften droht und die USA aus Nahost vertreiben will. Deshalb hält Trump auch den Superfighter F-35 zurück. Ankara ist wirtschaftlich hoch verwundbar. Die US-Sanktionen sind zwar nur Nadelstiche, aber die Lira stürzt seit einer Woche ab, derweil die Inflation tobt. Wo ist Özil, wenn wir ihn wirklich brauchen? WmdW träumt von einem Foto, auf dem Özil mit Trump und Erdogan Händchen hält. Das Bündnis wäre gerettet.

Trump will mit den Iranern reden, die aber nicht mit ihm. Bleibt’s wohl dabei?

Mit dem Großen Satan redet man nicht, auch wenn der iranische Rial im Vergleich zum Sommer 2017 nur noch ein Drittel wert ist. Wichtiger für den inneren Zusammenhalt ist der Teufel vor der Tür, der vom Elend des gemeinen Bürgers ablenkt. Trump hatte übrigens schon während der UN-Generalversammlung im Herbst probiert, den iranischen Präsidenten Ruhani zu treffen, blitzte aber ab. Kim Jong Un ist schlauer als die frommen Revolutionäre.

Der Politikwissenschaftler Christian Hacke fordert: Deutschland braucht die Bombe. Was meint WmdW?

Der Professor kommt etwa 40 Jahre zu spät. Da hatte sich die Bundesrepublik einen gesamten Brennstoffkreislauf verschafft, der eine theoretische Bombenoption hergab: Urananreicherung, Reaktoren, Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe, einen „schnellen Brüter“, der den Bombenstoff Plutonium produziert. Bis auf die Kernkraftwerke ist alles weg, und die werden 2022 stillgelegt. Es braucht eine kleine Ewigkeit, um das wieder aufzubauen, wird aber nicht geschehen, weil kein Land so allergisch gegen alles Atomare ist wie Deutschland. Überdies müsste Berlin Verzichtverträge brechen, was unsere Freunde kaum amüsieren wird. Das weiß der Prof., aber warum nicht ein Bömbchen ins Sommerloch werfen, um ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen?

Ein letztes Wort zur Sommerserie „Deutschland sucht die Kanzlerin“…

Auch die Chefin hat ein Recht aufs Abtauchen. Folglich kommt eine automatische E-Antwort: „In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an meinen Vize Olaf Scholz.“ Unsereins verkriecht sich ja auch im Home-Office, um den Fährnissen des Lebens zu entfleuchen – in ihrem Fall Trump, Putin, Seehofer, den Parteifreunden, die ihren Job wollen. Sie darf die Absenz aber nicht zu lange proben. Das Wahlvolk könnte auf die Idee kommen, dass es gar keine Kanzlerin braucht, sondern nur noch tüchtige Verwalter wie den SPD-Olaf.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as