Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Politiker ins All schießen, auf „Mission: Kimpossible“ warten und Verbene trinken

Astro-Alex aus Deutschland umkurvt mit einer Amerikanerin und einem Russen an Bord der ISS die Erde. Können diese drei Nationen nur noch im All miteinander?

Um das zu ergründen, müsste man Merkel, Putin und Trump ins All schießen. Anders als die sind echte Raumfahrer in der Kapsel hundertprozentig aufeinander angewiesen. In der Politik dominiert die Rivalität der Staaten. Inzwischen hätten die einen guten Grund, sich zusammenzutun, und zwar gegen die private Konkurrenz von Elon Musk (Tesla) und Jeff Bezos (Amazon), die billiger arbeiten – mit wiederverwendbaren Raketen.

Ab-, dann wieder zugesagt: Am Dienstag findet das Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim Jong Un in Singapur statt. Programmiertes Scheitern oder baldige Wiedervereinigung der beiden Koreas?

Genauer auf der Insel Sentosa, was übersetzt „Ruhe und Frieden“ heißt. Wer die Zeichen des Himmels richtig zu deuten weiß, wird nur Gutes erwarten. Statt sich über Raketen zu streiten, werden sie sich mit Twitter-Sprüchen auszustechen versuchen. Gewalt werden sie nur androhen, wenn der andere den Platz vor der Kamera monopolisiert. Sie werden sich gegenseitig mit Schmeicheleien überbieten. Die „vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Entnuklearisierung“, die Trump will, wird auf dem 48. Gipfel beschlossen. Heute gilt: „Mission: Kimpossible“.

Erste Kanzlerfragerunde im Bundestag oder 16. TV-Volkssprechstunde Putins: Welches Format ist unterhaltsamer?

WmdW findet Putin grundsätzlich unterhaltsamer als Merkel. Die marschiert nie in fremde Länder ein. Es würde niemandem einfallen, Merkel mit abgeschossenen Passagierjets zu verbinden oder mit gemeuchelten Oppositionellen im Ausland. Wladimir P. sollte in der Freizeit Thriller für Netflix schreiben, etwa „Im Visier des Kreml“. WmdW ist freilich ein Fan der Langweile in der Politik, denn da kann nix Schlimmes passieren. Bei ihren Auftritten wirkt Merkel wie ein Kännchen Verbene. Der milde, fast geschmacklose Eisenkraut-Tee beruhigt und besänftigt. Lieber gut schlafen als Nägelkauen bei Putin.

Ali B., Susannas mutmaßlicher Mörder, wurde im Irak gefasst, nachdem er aus Deutschland fliehen konnte. Sind die Iraker die tüchtigeren Deutschen?

Polizeimäßig wohl schon. Andererseits möchte WmdW lieber von deutschen als von irakischen Bütteln verhaftet werden (Rechtsstaat und so) und ein gutes Wort für die Hiesigen einlegen. Zumindest kannten sie die Telefonnummern ihrer Kollegen im Irak; sonst wäre Ali B. nicht so schnell aufgespürt worden. Über die Patzer wollen wir schweigen. Trotzdem: Der liberale Staat muss nicht unbedingt ein schwacher sein.

Josef Joffe ist Herausgeber der Zeit.

Fragen: til

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