Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die Briten gut behandeln und sich auf die nächste Groko einstellen

Die Briten haben tatsächlich den Brexit beantragt. Wie teuer soll die Briten das zu stehen kommen?

Und die Europäer? Nach einer Scheidung stehen beide ärmer da: zwei Haushalte, aber nur die Hälfte des gemeinsamen Vermögens. Okay, sie werden einander endlich los. Nur: Abgerechnet wird erst nach vielen Jahren. Die Briten schütteln rund 20 000 Gesetze und Direktiven ab, die ihr Parlament entmachtet haben. Aber womöglich auch den Markt für die Hälfte ihrer Exporte. Die EU wird kleiner. Sie verliert die fünftgrößte Wirtschaft der Welt, dazu ein Land mit Atomwaffen und Sitz im UN-Sicherheitsrat. EU-Studenten, die es nach Oxbridge zieht, müssen nicht mehr 9000, sondern bis zu 23 000 Pfund zahlen. Mögen die wohlbedachten Interessen auf beiden Seiten obsiegen.

Trump kippt Obamas Anti-Kohle-Verfügungen. Stellt die Freigabe für Kohlekraft das Weltklima auf den Kopf?

Charles McConnell, zuvor Obamas Berater für Fossiles, verkündet nun: Bei Beibehaltung der Vorgaben seines alten Chefs würde China 2025 beim Schadstoffausstoß in drei Wochen den Schadstoffausstoß wettmachen, den die USA ein ganzes Jahr lang reduziert hätten. WmdW spekuliert mit den Marktkräften. Gas und Erneuerbares werden immer billiger; folglich wäre ein Kohle-Boom nicht wahrscheinlich. Die Amis, Trump hin oder her, schätzen saubere Luft nicht weniger als die Europäer.

Gabriel ficht gegen erhöhte Verteidigungsausgaben. Auftakt zum Wahlkampf?

Ja, mit dubiosen Argumenten. Zwei Prozent des BIP werde D nicht aufbringen, zumal „wir Deutsche viel Geld dafür ausgeben, Flüchtlinge aufzunehmen, weil Militärinterventionen fehlgeschlagen sind“. Den Flüchtlingsstrom hat weder die Nato noch Amerika ausgelöst, sondern der syrische Diktator. Marokkaner, Tunesier, Nigerianer fliehen nicht vor Nato-Bomben. Berlin hat 2014 die zwei Prozent gelobt, weil Putin im Osten die Grenzen verrückt und die Balten-Staaten bedroht. Es rüstet im eigenen Interesse auf, nicht, um sich Trump zu beugen.

Ein bald letztes Wort zur großen Koalition …

Die kommt wieder, a) weil Rot-Rot-Grün keine Mehrheit hat und b) selbst wenn sie die kriegte, sich nicht erschließt, wie die neu-bürgerlichen Grünen mit Ganzrot regieren würden. Die Halbroten müssen an die Außenpolitik denken – an Nato und militärische Einsatzfähigkeit. Der Trend läuft derzeit in Richtung große Parteien. Die interessanteste Frage ist deshalb: Wer wird Kanzler in der nächsten Groko? Merkels Malus ist die Aussicht auf weitere vier Jahre, insgesamt 16. St. Martins Feind ist das Gegenteil: das Neue, das sich abnutzt.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: ari