Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Den Krieg ertragen, Erdogan ertragen, Trump ertragen

Trump bombardiert Assads Luftwaffe: Endlich mal einer, der Assad Bescheid stößt?

Die Attacke gegen einen Luftwaffenstützpunkt, von dem der C-Waffen-Angriff ausging, ist vorweg ein psychologischer Zug: Assad soll wissen, dass er es nun mit Trump, nicht mit Obama zu tun hat, der bekanntlich seine „rote Linie“ aufgab und nicht checkte, dass Assad schummelte, als er alle C-Waffen abzugeben gelobte. Er wird es nun nicht wagen, Giftgas gegen sein eigenes Volk einzusetzen. Dass er es tat, wird Putin nicht erfreut haben. Trump hat Putin gleichzeitig signalisiert, dass er nicht die Russen ins Visier zu nehmen gedenkt. Die wurden rechtzeitig vor dem Angriff gewarnt. Der Wutanfall des Kreml ist gut gespielt. Putin weiß, dass Trump anders als Bush keinen „regime change“ in Syrien anstrebt. Den hatte er kurz vor dem Angriff deutlich verworfen. Großmächte unter sich, der Krieg geht weiter.

Soll Trump Nordkorea gleich auch bombardieren?

Muss er nicht. Stattdessen werden die USA Kreuzer mit dem Aegis-Anti-Raketen-System in der Nachbarschaft positionieren. Die Geschosse können aufsteigende Raketen nach dem Start zerstören, bevor sie wieder in die Atmosphäre eintauchen – eine defensive Strategie. Als Versicherung kommt das THAAD- System dazu, das Raketen in der Anflugphase abfängt. Südkorea will THAAD noch in diesem Jahr stationieren. Dieses doppelte Netz dürfte die nordkoreanischen Brüder ernüchtern, weil es ihre Angriffswaffen entwertet. Verteidigung ist besser, als einen Krieg zu beginnen.

Erdogan auf dem Weg zu Autokraten: Wer kann ihn noch aufhalten?

Am 16. April werden wir es wissen. Dann will er diktatorische Vollmachten haben – ein Ermächtigungsgesetz per Volksentscheid. Ein „Ja“ ist nicht garantiert, zumal das Wirtschaftswachstum fällt und die Inflation tobt. Freunde im Ausland hat der Möchtegern-Sultan auch nicht mehr. Aber Erdogan ist nicht der Typ, der zum Liberal-Demokraten mutiert, nur weil das Volk „Nein“ sagt. Er wird trotzdem auf dem Weg zur Alleinherrschaft weiter machen.

Ein Wort zu Mar-a-Lago ...

Wie Trump an den disneymäßigen Palast (128 Zimmer, 11 000 qm) kam, zeigt, wie er funktioniert. 1985 bot er 25 Millionen Dollar. Der Eigentümer wies die Offerte höhnisch zurück. Da kaufte Trump durch einen Strohmann das Strandgrundstück vor dem Palast und ließ hernach wissen, er werde dort mit einem Horrorbau die Sicht aufs Meer abriegeln. Jetzt wollte keiner mehr „Vom Meer bis zum See“ haben, und er kriegte es für acht Millionen. Brachial und ganz legal.

— Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as