Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Sich über Trump nicht aufregen und sich über Trump aufregen

Der IS zielte in Manchester auf Kinder. Wieso kann er mit so etwas neue Anhänger gewinnen?

Wer will denn Anhänger gewinnen? Die heimischen IS-Terroristen rekrutieren sich selber. Der Zweck ist nicht Sympathiewerbung, sondern der Schrecken, der Angst schürt und die Regierungen provoziert, gegen Muslime vorzugehen. Das Kalkül: „Die ,Kufr’, die Ungläubigen, verhalten sich genau so, wie wir es sagen; sie sind hinter euch her; ihr müsst euch rächen und sie treffen, wo immer ihr könnt. Je übler, desto besser für uns. Dann setzt die Repression ein, die wir wollen.“ Das Ziel des Terrors ist der Rechtsstaat.

Trump auf Tour: Nett zu den Saudis, derb bei der Nato – war das richtig?

Wer will sich noch über falsche Töne echauffieren, wenn sie längst zur Routine gehören? Indes muss man ihm wenigsten in diesem Fall zugute halten, dass sein Spruch über die deutschen Exportüberschüsse unfair übersetzt worden ist. Gesagt hat er: „The Germans are bad, really bad.“ Daraus wurde nicht „schlimm“, sondern „böse“, was moralisch verdammenswert ist. Trotzdem bleibt Trump in der Tradition, wonach Berlin seine Exporte bewusst als Waffe einsetze. Anderseits werden die lieben EU-Nachbarn still genickt haben. Statt konkurrenzfähiger zu werden, ist es einfacher, den Deutschen die Schuld an ihrer Schwäche zuzuschieben.

Alle schimpfen auf die deutschen Exportüberschüsse – müssen deutsche Waren einfach schlechter werden?

Zurzeit schimpft Trump am lautesten über Autos. Besser wäre es, er würde lernen, wie der Markt funktioniert. Den Deutschen hält er vor: „Guckt mal auf diese Millionen, die sie in den USA verkaufen: Das werden wir stoppen.“ Durch Strafzölle oder wie? Das wird Freude machen. BMW produziert 400 000 Autos in South Carolina, Daimler 300 000 in Alabama. Die Werke zu schließen, würde Tausende von Jobs kosten, in zwei Hochburgen der Republikaner. Insgesamt stellen D, Japan & Co. 5,5 Mio. Autos in den USA her. Abermals zeigt The Donald, dass er nicht weiß, was im eigenen Land abläuft.

Noch ein Wort zu Trump …

Aus dem Weißen Haus hören wir, dass Trump sich mit einer Garde von Rechtsanwälten umgeben will, die seine Tweets checkt, bevor er sie absondert. Ob juristisch Anstößiges in den 140 Zeichen stecke. Ein früherer Wahlkampf-Helfer: „Ich wäre schockiert, wenn er das erlaubte.“ Dieselbe Truppe soll Trump in der ausufernden Russlandaffäre beschützen, wo nun berichtet wird, auch Schwiegersohn Jared Kushner habe versucht, vor der Amtseinführung einen Geheimkanal zum Kreml herzustellen. Die Erinnerungen an Watergate verdichten sich.

Josef Joffe ist Herausgeber der Zeit. Fragen: as

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