Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Chaos in Nahost und im UK, Lügen in den USA und ein rebellischer Sultan

Katar, Iran und Saudi-Arabien: Droht ein Krieg im Nahen Osten?

Wer soll denn gegen wen Krieg führen? Iran hätte zwar einen Grund, aber nicht gegen Saudi-Arabien. Der Casus belli wäre der IS-Terror in Teheran mit 16 Toten. Der IS arbeitet aber nicht für Riad. Der Terror wurzelt im Machtkampf zwischen Al Qaida und IS. Bin Laden und Nachfolger hatten Angriffe gegen Schiiten außerhalb des Iraks verboten. Dafür durften sie Iran als Drehscheibe und Ausweichgebiet nutzen. Die IS-Attacke soll demonstrieren: „Wir sind die wahren Gotteskämpfer.“ Iran wird sich rächen, aber gegen den IS. Der Krieg zwischen Persern und den arabischen Erzfeinden steht noch nicht an, zumal ein Angriff auf die Saudis Amerika auf den Plan riefe.

May hat sich verzockt: Gut oder schlecht für die EU 27?

Schlecht für May, gut für die EU. Mrs. May wird mithilfe der nordirischen DUP regieren müssen, die keinen „harten“ Brexit will, weil der die offene Grenze zum EU-Mitglied Irland zum Riegel machen würde. Arlene Foster, die DUP-Chefin, will einen Ausstieg, der „die besondere Lage Nordirlands und unsere gemeinsame Geschichte mit der Irischen Republik respektiert“. Die DUP wird May zügeln – oder ihr ein Alibi für einen weichen Brexit verschaffen. Ihre Wahlschlappe ist die ausgleichende Gerechtigkeit für Englands Ausrasten im Anti-EU-Referendum 2016.

Comey sagt, dass Trump lügt. Droht das Ende der Trump-Präsidentschaft?

Trump schimpft den geschassten FBI- Chef einen Lügner, und der retourniert das Kompliment. Bloß war niemand dabei, als Trump „Loyalität“ gefordert haben soll, damit Comey die Rolle des Ex-Sicherheitsberaters Flynn in der „Russia Connection“ während des Wahlkampfs nicht weiterverfolge. Das habe Trump nicht getan, schreit das Weiße Haus, also keine Behinderung der Justiz. Es fehlt noch der „rauchende Colt“, aber die Skandalmühlen mahlen langsam. Es lagen 26 Monate zwischen dem Watergate-Einbruch und dem erzwungenen Rücktritt Nixons.

Ein letztes Wort zum Außenminister …

Ein Klassiker deutscher Diplomatie: so lange reden, bis die andere Seite aufgibt, weil sie das Geplauder nicht mehr erträgt. Gabriel hätte wissen müssen, dass Ankara in der Causa Incirlik erniedrigende Vorleistungen fordern würde, z. B.: Berlin möge gegen die nach Deutschland geflüchteten 450 Türken mit Diplomatenpass vorgehen, weil sie „Terroristen“ seien. Ein Rechtstaat kann nicht vor dem Sultan einknicken. Also ab nach Jordanien mit den 260 Bundeswehrlern und ihren „Tornados“. Dort herrscht ein aufgeklärter Monarch, und am Roten Meer winken herrliche Badestrände.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: as

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