Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Waffen dealen, Verräter locken Helmut Kohl im Pantheon platzieren

Erst die Saudis unterstützen, dann an deren Gegenspieler Katar Waffen liefern – ein neues Kapitel aus der Trump’schen Dialektik?

Dem Donald so etwas Marxistisches wie „Dialektik“ unterstellen? Es ist schlichte Realpolitik. Erst die saudische Allianz umarmen und den Kataris einen Schrecken einjagen. Dann die Balance wiederherstellen, die Washington zum unverzichtbaren Makler macht. Das Geschäft mit den F-15, den ältlichen Kampfflugzeugen, die seit 1972 fliegen, wurde übrigens von Obama eingefädelt. Katar hat einiges auf dem Kerbholz, etwa Schutzgeldzahlungen an Terrorgruppen. Es wird künftig umsichtiger sein.

Russlands Präsident Putin hat dem Ex-FBI-Chef und Trump-Widersacher Comey Asyl angeboten. Sammelt der Verräter?

WmdW weiß nicht, wer unterhaltsamer ist – Trump oder Putin. Die Einladung an Comey kam in der 15. Folge seiner TV-Show „Das Volk fragt, der Zar antwortet“, wo Putin den Witzbold, Macho und weisen Salomon gibt. Die Gastfreundschaft für Verräter hat Tradition. Die berühmtesten waren die Briten Guy Burgess und Donald Maclean in den 50ern. Der beste war allerdings der Italo-Amerikaner Bruno Pontecorvo, der dem KGB das Design der ersten US-Atombombe zuspielte. Gegen den waren die Rosenbergs kleine Fische. Die starben auf dem elektrischen Stuhl, Pontecorvo verschied 1993 friedlich in Dubna bei Moskau.

Griechenland bekommt Geld von den Euro-Partnern, um seine Schulden zu bezahlen. Dann ist ja jetzt alles gut?

So läuft es seit Beginn der Euro-Krise 2010. Athen muss im Juli 7,4 Mrd. Euro bezahlen. Jetzt kriegt es 8,5, also etwas Spielgeld dazu. Mithin steigen die griechischen Schulden, deren Bedienung wieder neue Milliarden erfordert. Athen wird sie kriegen, weil der Euro um jeden Preis gerettet werden soll. Dann kommt wieder ein Schuldenschnitt. Private Geldgeber wissen das und scheuen den Ankauf griechischer Werte. Allerdings wächst die einstige Pleitewirtschaft der Spanier um 3,5 Prozent. Von Spanien lernen heißt siegen lernen.

Ein Wort zum Tode von Helmut Kohl ...

Der wurde zu Lebzeiten als „Birne“ und „Aussitzer“ verspottet. Tatsächlich hätte er den Friedens-Nobel mehr verdient als Arafat oder Obama. Bismarck hat D mit „Eisen und Blut“ vereint, Kohl ohne einen Schuss abzufeuern. Er wusste, dass dies neue Machtzentrum noch fester eingebunden sein müsse in Europa und Nato, um den anderen die Furcht zu nehmen. Bismarcks prekäre Konstruktion kollabierte 1914; die Kohl-Variante hält und gedeiht. Berlin ist umzingelt nur von Freunden. Der 16-Jahre-Kanzler erhält einen extra großen Sessel im Pantheon der deutschen Geschichte.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: ari

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