Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

G20 als Reality-TV sehen, Macron Glück wünschen und Trump-Tweets ignorieren

G-20-Gipfel: Kann es mit Donald Trump überhaupt Ergebnisse geben oder können wir uns das Einschalten gleich sparen?

Trump ist grundsätzlich an allem schuld, oder? Solche Mammut-Aufläufe produzieren selten mehr als den kleinsten gemeinsamen Nenner. Trotzdem nicht abschalten. Das wird die beste Reality-TV-Show des Jahres. Dafür sorgen Schlägertrupps aus ganz Europa, die, gut trainiert und ausgerüstet, Hamburg zum Schlachtfeld machen wollen. „Welcome to Hell“ ist ihr Motto. Ihr Ziel ist nicht eine bessere Welt, sondern Publicity. Deshalb fordert WmdW: G 20, G 7, etc. sollten per Skype abfinden. Ein Rätsel: Wieso versinkt New York nicht im Krieg, wenn dort 200 Länder zur UN- Vollversammlung auflaufen?

Macron kündigt eine große Arbeitsmarktreform an. Kann Monsieur le Président reüssieren?

Das hat noch kein Präsident geschafft, aber Macron läuft bisher trockenen Fußes über Wasser. Hoffentlich weiß er auch jetzt, wo die Trittsteine liegen. Frankreich ist nicht der starke Staat, der durch unsere Köpfe geistert. In der Vergangenheit hat jede gut organisierte Gruppe – Bauern, Fischer, Lkw-Fahrer – den Staat erpressen können. Freilich ist Macron cleverer als seine Vorgänger: Er verteilt Bonbons an die Gewerkschaften. WmdW wünscht ihm, dass er zumindest die Hälfte der Reformen durchbringt und so die Bunker im Arbeitsmarkt sprengt. Gut für Frankreich und Europa.

Mit der Reform der Gesundheitsreform nähmen die US-Republikaner 22 Millionen Bürgern die Krankenversicherung weg. Kann man das politisch überleben?

Wer ist „man“? Trump hat bislang alles überlebt. Er ist wie der „Joker“ in „Batman“, der immer wieder kommt. Das Problem haben die 50 Gouverneure, weil Trumpcare große Teile der Kosten für Medicaid, der Gesundheitskasse für 76 Millionen ärmere Amerikaner, auf die Staaten abwälzen will. Die müssten Steuern hochfahren oder die Versorgung kappen, was Wähler bekanntlich nicht schätzen. Auch nicht die Trump- Fans, die so reich nicht sind.

Ein sicher nicht letztes Wort zum Commander-in-Tweet …

WmdW hatte gehofft, Trump werde irgendwann erwachsen – die Würde und Bürde des Amtes, und so. Doch die Lümmeleien steigern sich. Die beiden Moderatoren der „Morning Joe“-Frühstücksshow nannte er „Debil-IQ Mika“ und „Crazy Joe“, so wie es Zehnjährige tun. Mika Brzezinski, die Tochter von Carters Sicherheitsberater, hätte „geblutet wie nach einem Facelift“. Keine Angst, Trump wird auch das noch toppen, weil es im Weißen Haus niemanden gibt, der ihn an seine Vorbildrolle als „First Gentleman“ erinnert.

Josef Joffe ist Herausgeber der Zeit.

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