Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Flüchtlinge nicht verteilen, Schulz nicht loben und Trump nicht verstehen

Europas Richter bestätigen die Regel, nach der Flüchtlinge in dem Land Asyl beantragen müssen, über das sie eingereist sind. Auch in Ausnahmefällen. Auf welchem Planeten leben die Richter?

Auf unserem. Das sind die Dublin-Regeln der EU, auf die insbesondere Deutschland pocht. Denn die meisten Flüchtlinge und Migranten wollen nach D und werden gern weitergeschickt. Gerechter und vernünftiger wären Quoten, die der Bevölkerungszahl und Aufnahmefähigkeit entsprechen. Leider ist hier jeder sich selber der Nächste. Frankreich ist kein armes Land, nimmt aber nur wenige auf. Macron will Hotspots in Libyen; Italien verstärkt seine Flotte auf dem Mittelmeer, um Boote zurück nach Nordafrika zu bringen.

Derweil begrüßt Martin Schulz Flüchtlinge auf Sizilien. Ein Wahlkampf-Hit?

Die Idee ist so klar wie Wassersuppe: Schulz nutzt jede Gelegenheit, um sich von der Kanzlerin abzusetzen. Solidarität zu predigen, gefällt dem harten Kern der Partei, nicht unbedingt den traditionellen SPD-Wählern, die nicht in den feinen Vororten wohnen und den Zuzug begrenzen wollen. Hinzu kommt: Die SPD hat Merkel in der Flüchtlingskrise unterstützt. Der Gegenkurs verstärkt nicht die Glaubwürdigkeit des Kandidaten. Wahltaktisches schätzt der deutsche Michel nicht.

VW, Audi, Daimler uswusf … Ist Deutschland ein automobiler Schurkenstaat?

WmdW hält D für ein ehrliches Geschöpf, wo Mauschelei und Korruption im Normalbereich ablaufen und das Wechselgeld nicht nachgezählt werden muss. Das Problem ist VW, das Zeit seines Lebens unter staatlichem Schutz stand, vom Dritten Reich bis Niedersachsen. Kein Wunder, dass eine Kultur des „Mir kann keener“ entstand und höchste kriminelle Energie im Abgasbetrug anfachte. Wie VW die anfänglich neutralen Fragen aus Amerika ignorierte, zeugt von atemberaubender Chuzpe, vor allem gegen die hiesigen Käufer. Hannover gehört raus aus dem Aufsichtsgremium und die Familie Piech/Porsche unter das Elektronenmikroskop.

Ein sicher nicht letztes Wort zu Trumps Russlandproblem...

Zu Trump fällt WmdW schon jetzt nichts mehr ein, um Karl Kraus zu bemühen. Der Mann ist nicht „Commander- in-Chief", sondern „Tweeter-in-Chief“. Jetzt hat er seinen Justizminister Jeff Sessions im Visier, der sich weigert, die Hunde in der Aufklärung der Russland- Connection zurückzupfeifen, aber auch nicht zurücktritt. Trump will ihn mürbe machen, nennt ihn „umzingelt“ und „sehr schwach“. Dazu muss man wissen, dass Sessions schon vor der Wahl ein getreuer Recke des Trumpismus war. Die Hetzjagd macht die Rechtgläubigen nervös. Die Basis wankt, näher kommt das Impeachment bzw. das Verdikt der Amtsunfähigkeit gemäß 25. Verfassungszusatz.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: rori

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