Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Hoffnung zelebrieren, den Iran einspannen – und mit Gabriel vermitteln

Der Friedensnobelpreis ist vergeben. Haben die Richtigen gewonnen?

Die Richtigen kriegen ihn selten, setzt man denselben Maßstab an wie in Physik, Medizin und Chemie. Diese Preise belohnen Leistung, der Friedensnobelpreis zelebriert zu oft Hoffnung. Dass der Imperialist Teddy Roosevelt ihn erhielt ist genauso ein Witz wie der Preis für den späteren Appeasement-Akrobat Austen Chamberlain, der 1938 Hitler freie Hand gab. Kissinger und Le Duc Tho haben ebenso wenig Frieden in Vietnam gestiftet wie das Trio Arafat-Peres-Rabin in Nahost. Obama hat den Krieg in Afghanistan und Irak nicht beendet. Der Preis für die Anti-Atomwaffen-Kampagne würdigt allein die gute Absicht, die weder Nordkorea noch Iran beeindruckt. Die Bombe muss man durch kluge Rüstungskontrolle einhegen, abschaffen kann man sie nicht – es sei denn durch universelle Gehirnchirurgie, die das Wissen wegoperiert.

Der saudische König war bei Putin. Ist Russland die neue Größtmacht im Nahen Osten?

Putin hat ein Problem: Er konkurriert nicht nur mit Amerika um die Vorherrschaft in Mittelost, sondern vor allem mit Iran. Putin will ausloten, ob man nicht Irans saudischen Erzfeind einspannen kann. Die Saudis wollen den USA signalisieren: Wir sind nicht auf Gedeih und Verderb an euch gekettet. Russen und Saudis haben dazu noch einen praktischen Grund für ihren Flirt: Die beiden größten Ölproduzenten der Welt wollen den Preisverfall stoppen, also den Ausstoß drosseln und deshalb das OPEC-Kartell wiederbeleben. In Nahost gilt heute: jeder mit und gegen jeden. Wie einfach waren doch die Zeiten, als man sich nur um Israel/Palästina kümmern musste.

Der spanische König will die Katalanen nicht besänftigen, die EU nicht vermitteln. Wer bleibt als Schlichter übrig?

Sigmar Gabriel. Erstens hat der nicht mehr so viel zu tun, wenn „Jamaika“ steht. Zweitens wollte er schon immer vermitteln – siehe den Versuch, den Makler zwischen Katar und Riad sowie in Libyen zu spielen. Eigentlich ein feiner Job: Man muss selber nichts investieren, auch nicht Partei ergreifen. Hat man Glück, erntet man Ruhm. Bloß muss man im Ringen der Staaten mächtiger sein als die Kontrahenten, um beide zügeln zu können. Sonst wird man nicht ernst genommen. Aber es macht Spaß, eine Weile im Rampenlicht zu stehen.

Wann fällt das letzte Wort über Rex Tillerson?

WmdW hat aus bester Quelle in Washington erfahren, dass der Außenminister, der Sicherheitsberater McMaster und der Pentagonchef Mattis einen „Selbstmordpakt“ geschlossen haben: Wird einer gefeuert, treten die anderen zurück. Aber was kümmert’s Trump? „Der Staat bin ich“, wähnt er. Und da ist es ihm egal, wer seine Unterlinge sind. Außerdem: Jede Krise bringt Quote.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: teu

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