Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Trumps Sinneswandel, Deutschlands Kohle und Mugabes Ende

Erst will Trump US-Großwildjägern wieder erlauben, Elfenbein-Trophäen mit nach Hause zu bringen, dann doch nicht. Ist ihm der Gott der Elefanten im Traum erschienen und hat ihn bekehrt?

Die Erklärung für den Sinneswandel ist prosaischer. Trump twittert: „Habe die Entscheidung wieder auf Eis gelegt, bis ich alle Naturschutz-Fakten durchgesehen habe.“ Genauer: Er hat die wütenden Proteste der US-Naturschutzverbände gehört, was zeigt, wie flexibel seine Überzeugungen sind, zumal wenn die Lobby der Jäger, die in Sambia und Simbabwe Elefanten schießen, nicht gerade riesig ist. Leider ändert das nichts daran, dass Wilderer Hunderte umbringen. Stoßzähne gelten als Potenzmittel in Fernost und bringen viel Geld.

Der Klimagipfel in Bonn ist zu Ende. Wann wird das Klima politisch wirklich ernst genommen?

Noch-Umweltministerin Hendricks ist zufrieden. Erstens wolle Trump doch nicht aus dem Pariser Abkommen ausscheren, und zweitens sei Bonn nur eine Vorbereitungskonferenz gewesen. Konkret soll es 2018 in Kattowitz werden. Die Guten, also die Deutschen, haben indes ein Problem, stoßen ihre Kohlekraftwerke doch jährlich an die zehn Millionen Tonnen CO2 aus, und „Jamaika“ wird die so schnell nicht schließen. Rhetorisch haben England und Kanada gepunktet, die eine weltweite Allianz gegen Kohle fordern. Das schaffte auch Macron mit seiner Rede. Freilich produziert Frankreich hauptsächlich Atomstrom.

Europäische Verteidigungsunion Pesco: Was für ein Manöver ist das denn nun?

Die „permanent strukturierte Kooperation“, die 23 Staaten beschlossen haben, ist keine Verteidigungsunion, sondern eine Absichtserklärung, wie es schon sehr viele gegeben hat. Gemeinsame Rüstungsprojekte sind nur scheinbar effizienter, weil die Staaten nationale Industriepolitik machen. Wenn jeder ein Stück vom Kuchen haben oder ein zusätzliches Teilsystem draufsatteln will, wird die Produktion stets teurer – siehe den Eurofighter. Strategisch ist die Sache noch misslicher, weil Berlin eine „Parlamentsarmee“ hat und sich beim Einsatz nicht der Mehrheit unterwerfen wird. Ob ein Land in den Krieg zieht, wird immer eine nationale Entscheidung bleiben.

Ein letztes Wort zu Robert Mugabe ...

Normalerweise werden Gewaltherrscher gemeuchelt, M. aber wird nur entlassen. Das heißt: kein Ende der Diktatur. Sein Nachfolger, „Krokodil“ genannt, war ein treuer Diener des Regimes. Der Vizepräsident hat die Ndebele dezimiert, die das Pech hatten, zum falschen Stamm zu gehören. 2008 hat er mit mörderischen Mitteln Mugabes Wiederwahl gesichert. Es handelt sich um den Palast-Putsch einer jüngeren Generation, die aus dem Militär kommt. Mnangagwa ist nicht „Mr. Democracy“, schreibt die Online-Zeitung „The Zimbabwean“.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.