Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Witze erzählen, sich einen Joint gönnen, von Bayern siegen lernen

Treffen sich Putin, Ruhani und Erdogan – klingt wie der Anfang eines blöden Witzes. Was wäre die Pointe?

Nicht die, welche das Trio sich erhofft: dass sie selbdritt die Neuordnung Syriens diktieren können, also die UN-Konferenz aushebeln, die am 28. November beginnen soll. Am Krieg sind ja noch andere beteiligt: USA, Kurden, Saudis, Anti-Assad-Kräfte. Die beiden Letzteren wollen unbedingt Assad stürzen, Russland und Iran ihn halten. Die Kurden wollen den eigenen Staat, was Ankara um jeden Preis verhindern will. Amerika will nicht, dass sich der Iran in der Levante festsetzt. Im Hintergrund lauert Israel: Iran an seiner Nordgrenze wäre der Casus Belli. Eine stabile Achse Moskau-Ankara-Teheran wäre in der Tat ein Witz, weil die drei auch untereinander um die Macht in Nahost ringen.

Jamaika ist geplatzt, ist Deutschland eine vernebelte Kiffer-Insel?

Wenn die Sondierer der CDU, CSU, Grünen und Liberalen sich regelmäßig einen Joint gegönnt hätten, stünde Jamaika heute. Gras ist ein wundersames Kraut. Die einen entspannen sich, die anderen brechen nach dem dritten Zug in prustendes Gelächter aus. Das schafft eine gute Stimmung, in der man fünfe gerade sein lässt. Cem und Christian hätten einander bei „Acapulco Gold“ das Du angeboten: Du kriegst den Soli weg, ich kriege eine liberale Flüchtlingspolitik. Angie und Horst hätten sich auf München als zweite, gleichberechtigte Hauptstadt geeinigt. Weil Pot auch müde macht, hätten sie alle rasch unterschrieben, um früh ins Bett zu kommen.

Libanons Premier Hariri macht jetzt doch weiter. War da ein Knoten im Marionettenfaden?

Die geheimnisvollen Wege des Orients. H. verschwindet nach Riad, tritt zurück, dann doch nicht, dann wieder heimwärts nach Beirut. Er stellt jetzt das Drama als Pädagogik dar, als „Weckruf“ an die Nation, deren rivalisierende Kräfte doch, bitte schön, die Interessen des Landes höher einstufen mögen als die eigenen. Das werden sie wohl tun. Sie wollen weder Bürgerkrieg wie in Syrien noch unter die Oberherrschaft Irans fallen. Irgendwie hat dieser Vielvölkerstaat immer überlebt.

Ein sicher nicht letztes Wort zum BER ...

Der Tagesspiegel hat mit seiner Sechs-Seiten-Recherche glänzende Arbeit geleistet. Ein Hoch auf die Kollegen! WmdW sieht einen Silberstreifen: Endlich muss sich die Welt nicht mehr vor den supertüchtigen Deutschen fürchten. Jetzt sind sie Weltmeister in der Sparte „Schlamp und Schund“. Das nimmt ihnen den Nimbus der völkischen Überlegenheit und macht sie sympathisch. Die neuen Preußen sind die Bayern. Die haben ihren neuen Münchner Flughafen (1992) halbwegs termingerecht und zu vertretbaren Kosten hingekriegt. Von Bayern lernen, heißt siegen lernen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: ari

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