Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Hofft auf Trumps Scheitern und trauert Beate Uhse nach

Donald Tusk verabschiedet sich unter dem Jubel der Ost-Länder von den EU- Flüchtlingsquoten. Spricht da der Realist – oder der Pole?

Tusk zeigt den Unterschied zwischen Nationalstaat und EU auf. Von zwölf Millionen Ostflüchtlingen hat die Bundesrepublik nach dem Krieg acht aufgenommen und geräuschlos verteilt. Das waren aber die eigenen Leute. Heute spalten die Migranten die EU-Länder; folglich verlagert sich das Gewicht auf die Sicherung der Außengrenzen – und nicht nur in Osteuropa, sondern auch in Deutschland. Dass jeder nur an das eigene Land denkt, stärkt nicht den EU- Zusammenhalt, ist aber Realität. Insofern redet Tusk nicht als Pole, sondern als Realist.

Für den US-Staat Alabama sitzt künftig ein Demokrat im Senat. Ist das nur eine Sensation oder auch das Ende von Donald Trump?

Weder noch. Die Republikaner hätten sich einen beliebigen Kandidaten aus dem Mitgliederverzeichnis greifen können, und er hätte in Alabama gewonnen. Bloß eben nicht Roy Moore, der den Leuten selbst in dieser Republikaner-Bastion als „kooky“ – weit jenseits des Erträglichen – erschien: mit seiner heuchlerischen Moral, seinem Kreuzzug gegen die Abtreibung und seiner Vergangenheit als Frauenbelästiger. Folglich sagt die Wahl nichts über Trumps Schicksal aus. Oder nur insofern, als seine Mehrheit im Senat auf eine Stimme geschrumpft ist und seine Gesetzesvorlagen nun jederzeit scheitern können.

Extraschnellzugpremiere mit Pannen und so ging es weiter: Ist die Deutsche Bahn noch zu retten?

Natürlich. Immerhin hat die DB das Projekt hingekriegt, derweil BER, fürsorglich gesagt, ein „work in progress“ bleibt. So gnädig will WmdW auch grundsätzlich dozieren: Alle komplexen Großprojekte sind nie fertig, wenn sie fertig sind. Die Justierung der Akustik in der Hamburger Elbphilharmonie wird noch um die zehn Jahre dauern. Nur autoritäre Regime wie das chinesische schaffen es. Und wenn nicht, erfahren wir nix davon, weil sie die Kritik ersticken können. Der Preis der Demokratie ist ein Maß an Ineffizienz.

Ein letztes Wort zu Beate Uhse ...

Eine Träne für Beate! Jedenfalls von der heutigen Rentnergeneration, die in dem „Fachgeschäft für Ehehygiene“ Gerätschaften, U-Wäsche und Literatur finden konnte, die deren Eltern nicht einmal aus der Fantasie kannten. Bei Beate konnte man sich diskret aufklären und ausbilden. Sie war die große Emanze der Fünfziger und Sechziger. Heute müssen sich die Halbwüchsigen nicht mehr die Nase an den Schaufenstern ihrer Läden platt drücken. Sie wissen mehr als ihre Erzeuger. Aber Frau Beate zeigte den Weg. Am Anfang stand der Blümchen-Sex – damals ein großer Schritt in die Moderne.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: ari

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.