Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Schnurren wie ein Kätzchen, Wertarbeit exportieren – und ein Wutbad nehmen

Es kreißt der Berg und heraus kam ein Trump. Kann Davos jetzt einpacken?

Wieso? Dass Trump in die Höhle der „Globalisten“ gegangen ist, zeigt doch a), dass auch er gern auf der Party der Großkopfeten dabeisein und b) ihnen die Show stehlen wollte. Was ihm auch gelungen ist, und das ganz umsonst, legt doch der gehobene Firmenchef 600 000 Franken für den Eintritt hin. Trumps Quote übertraf bei Weitem die von Macron, May und Merkel. Er hat sich auch artig für die Aufmerksamkeit bedankt. Sein Schlüsselsatz: „America first“ heiße nicht „America alone“. Woraus WmdW die richtige Regel im Umgang mit Trump ableitet: Garantiert dem Mann eine weltweite Bühne, und er schnurrt wie ein Kätzchen, das man krault und kuschelt.

Erdogan rollt gegen die Kurden im deutschen Panzer. Ein Fest für Zyniker?

Wo sollten denn die Leo 2 sonst hin, die Deutschland während der Radikal-Abrüstung in den Neunzigern ausgemustert hat? 315 gingen in die Türkei – deutsche Wertarbeit. Nun sind sie veraltet und brauchen eine stärkere Panzerung. Damit lässt sich zum zweiten Mal was verdienen, und die ältlichen M-60 „Made in USA“ hübschen wir auch auf. Nun hat Berlin die Modernisierung auf Eis gelegt – bis, sagen wir Ostern, eine neue Regierung steht. Da kann sich viel ändern. Erdogan könnte sich aus Syrien zurückziehen. Der Lärm könnte sich legen, und er muss keine Panzer bei den neuen russischen Freunden kaufen. Irgendwie wird D schon an dritter, vierter Stelle in der Weltrangliste bleiben, obwohl es keinesfalls in Spannungsgebiete exportieren darf.

Chinas Investitionen in deutsche Firmen sind auf Rekordhoch. Unterwandert die neue Weltmacht unsere Wirtschaft?

Elf Mia. 2017. C&A („Catholisch und Anständig“) können die Chinesen haben; das ist kein Kronjuwel, wenn unsereins den hippen Jogging-Anzug bei Aldi billiger kriegt. Kritisch wird’s bei Prozess-Steuerung, Software und Kfz-Technik. Zu Recht hat Berlin sich ein Veto bei Hightech verschafft, weil unsere chinesischen Freunde so gern Know-how absaugen wollen, um selber besser zu werden. Anderseits ist WmdW hoch zufrieden mit seinen Volvos, die nach einem unglücklichen Intermezzo bei Ford zu Greely (China) gehören. Die Chinesen dürfen auch den HSV haben, die Nr. 17 in der Bundesliga.

Ein Wort zu Dieter Wedel...

Hollywood hat Weinstein, wir haben jetzt Wedel, der in unserem kleinen Teich so groß ist wie Harvey W. im amerikanischen. Den beiden wird Schreckliches angelastet, den Opfern muss Gerechtigkeit widerfahren. Aber wir dürfen nicht den Rechtsstaat mit dem Wutbad ausschütten; wir ehren ihn, indem wir auch den größten Schurken ein faires Verfahren gewähren und deren Schuld beweisen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: ari

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