Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Humanitäres verpatzen, wie bei Willy wählen – und Facebook-Aktien kaufen

Aus der Geschichte lernen: Kann Eingreifen in Syrien mehr zum Guten wenden als in Afghanistan und im Irak?

Reden wir von Real- oder Idealpolitik? Der naive Idealist Bush wähnte, Demokratie in einem unfruchtbaren Boden einpflanzen zu können; geerntet hat er den Krieg aller gegen alle. In Syrien hat der Westen die humanitäre Aufgabe längst verpatzt: siehe Millionen von Flüchtlingen und Toten. Das realpolitische Desaster ist ebenfalls gewaltig. Russland baut eine Machtposition an der Südostflanke der Nato auf, Iran eine Landbrücke zum Mittelmeer. Kurz Assad bombardieren, löst das strategische Problem nicht. Der Westen kann allenfalls Moskau und Teheran zur Vorsicht mahnen. Ihr Kondominium in Syrien werden die Bomben nicht knacken.

Die Kanzlerin verweigerte eine Beteiligung in Syrien. Machte sie den Schröder?

Merkel machte die Merkel. Kein hartes Nein, sondern: Wir sind dafür, aber nicht dabei. Ein Klassiker deutscher Außenpolitik, und Thomas Oppermann von der SPD dozierte: „Militärische Vergeltungsschläge“ sind nicht „unsere Kernkompetenz“. Was man nicht kann, muss man lassen. Die ältlichen Aufklärungs-Tornados in Jordanien können bloß fotografieren, nicht bombardieren. Es ist aber praktisch, nicht zu können, was man nicht will – sich in Syrien mit den Russen oder Iranern anzulegen. Unsere Kompetenz ist es, mit allen zu reden. Das bringt nichts, wo harte Macht im Spiel ist, aber es erzeugt weder Kosten noch Risiken.

Die SPD wählt Andrea Nahles zur Chefin. Was wäre ein gutes Ergebnis?

Also, 100 Prozent geht gar nicht – siehe den Kurzzeit-Chef Martin Schulz. 63 Prozent wie für Oskar Lafontaine 1995 geht auch nicht; den Chefposten musste er bald an Gerhard Schröder abgeben. Gut sind Werte von 95 bis 97 Prozent. So wurde Willy Brandt zwölf Mal gekürt. Andererseits war Willys SPD nie eine 20-Prozent-, sondern eine Kanzlerpartei. Deshalb drängt sich heute niemand um den Vorsitz. Der Chefstuhl ist kein Ruhekissen.

Ein grundsätzliches Wort zu Facebook ...

Irgendwie gefiel WmdW Mark Zuckerberg besser, als er noch seine T-Shirt- Uniform trug. Er war zwar nicht cool, aber tat wenigstens so. Bei seinem zweitägigen Verhör vor dem Kongress sah er mit Anzug und Schlips so aus wie ein Konfirmand mit schlechtem Gewissen – ausweichend, aber nicht zerknirscht. Ob er ahnt, dass der Kongress kein Problem lösen kann, das er selber nicht kapiert? Jedenfalls steigen Facebook-Aktien; allein während des Verhörs verdiente Z. mit seinen 400 Millionen Anteilen drei Milliarden Dollar. Die Investoren glauben, dass Z. das Match gewonnen hat. Man kann keinen Moloch mit zwei Milliarden Nutzern zähmen, die keinen Cent für den Service bezahlen müssen.

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: teu

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.