US-Topsenator über Donald Trump : Das Weiße Haus als Pflegeheim

Thomas Seibert

Donald Trump streitsüchtig zu nennen, wäre eine Untertreibung. Neuestes Beispiel ist das Fernduell, das sich der Präsident mit dem wichtigen Senator Bob Corker von der eigenen Republikanischen Partei liefert. Corker seinerseits wirft Trump vor, er veranstalte eine „Reality-Show“ im Weißen Haus.

Vorige Woche war bekannt geworden, dass Außenminister Rex Tillerson den Präsidenten hinter verschlossenen Türen einen „beschissenen Schwachkopf“ genannt haben soll. Zu Gerüchten, Trump wolle Tillerson entlassen, sagte Corker, republikanischer Senator aus Tennessee, er schätze den Minister. Tillerson sei einer der Männer, die Amerika vor dem „Chaos“ bewahrten – weil Tillerson mäßigend auf Trump einwirke, lautete die unausgesprochene Erläuterung des Senators.

Trump verstand die Botschaft auch so. Auf Twitter schlug er am Sonntag gegen Corker los, der bei der Senatswahl im kommenden Jahr nicht mehr antreten will. Corker habe um Unterstützung für eine erneute Kandidatur gebettelt, was er aber abgelehnt habe, schrieb Trump. Deshalb habe der Senator dann seinen Verzicht erklärt, weil er nicht den Schneid habe, auch ohne schützende Hand des Präsidenten zu kandidieren.

Aus mindestens drei Gründen war das unklug von Trump. Erstens stimmt seine Version womöglich nicht. Corker sagte jedenfalls der „New York Times“, Trump habe ihn ausdrücklich gebeten, noch einmal anzutreten. Zweitens traf der wütende Twitter-Sturm des Präsidenten einen Mann, dessen Stimme im Senat sehr wichtig ist, weil Trumps Republikaner dort nur eine Mehrheit von zwei Mandaten haben und der Präsident sich ohnehin schwertut, seine Vorhaben in die Tat umzusetzen. Drittens wehrte sich Corker auf eine Weise, die Trumps Twitter-Vorliebe aufs Korn nimmt. „Es ist eine Schande, dass das Weiße Haus zu einem Pflegeheim für Erwachsene geworden ist“, schrieb Corker. „Irgendjemand ist da offenbar heute Morgen nicht zu seiner Schicht erschienen.“ Eine Bemerkung, die John Kelly gilt, dem Stabschef im Weißen Haus, der sich vorgenommen hat, Trump vom spontanen Twittern abzuhalten.

Corker, der keine Wahl mehr gewinnen und kein Blatt vor den Mund nehmen muss, legte im Gespräch mit der „New York Times“ noch einmal nach. Mit Blick auf Trumps Drohungen gegen Nordkorea sagte er, es bestehe die Gefahr, dass der Präsident den „Dritten Weltkrieg“ auslösen könne. Damit sprach Corker vielen Trump-Kritikern aus dem Herzen, die den 71-jährigen Immobilienunternehmer für unfähig halten, das hohe Staatsamt auszuüben.Thomas Seibert

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