• Ungewöhnliche Infektion mit neuer Corona-Variante: Was vor Zimmer 5112 im Regal Airport Hotel in Hongkong geschah

Ungewöhnliche Infektion mit neuer Corona-Variante : Was vor Zimmer 5112 im Regal Airport Hotel in Hongkong geschah

In zwei Fällen wurde die neue Corona-Mutante B.1.1.529 auch in Hongkong nachgewiesen. Die Hauptrolle bei dieser Übertragung spielte eine „egoistische“ Maske.

Michael Schmidt
Hongkong hat sehr strenge Einreiseregeln - vom Flughafen geht es gleich ins Quarantänehotel.
Hongkong hat sehr strenge Einreiseregeln - vom Flughafen geht es gleich ins Quarantänehotel.Foto: Geovien So/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Noch ist wenig bekannt über die neue, offenbar aus Südafrika stammende Sars-CoV-2-Variante. Was sich aber abzeichnet: B.1.1.529., auch als "Omikron" bezeichnet, breitet sich offenbar sehr schnell aus und ist vermutlich bereits über Südafrika und Botswana hinaus in anderen Ländern angekommen. Neben Israel und Belgien gehört Hongkong zu den ersten betroffenen nicht-afrikanischen Staaten.

Zwei Fälle einer Corona-Infektion vor rund zwei Wochen in einem Hongkonger Quarantäne-Hotel hängen sehr wahrscheinlich epidemiologisch zusammen und sind auf die eingeschleppte Variante zurückzuführen. Das teilten Vertreter der Gesundheitsbehörden in Hongkong schon am Montag mit. Deren Untersuchungen zufolge waren die Infizierten zwei Reisende, die – ausgerechnet – zur Quarantäne im Regal Airport Hotel untergebracht waren.

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Die Untersuchung der Behörden vor Ort ergab folgendes Bild: Die beiden Männer, beide doppelt geimpft, kamen routinemäßig in Quarantäne, für Reisende gelten strikte Regeln in Hongkong. Beide waren im Regal Airport Hotel, in einander gegenüberliegenden Zimmern untergebracht.

Der eine, ein 36-jähriger Mann - im Papier der Behörde "Fall 12388" genannt -, landete am 11. November aus Südafrika kommend in Hongkong und bezog Zimmer 5112 im Quarantänehotel. Vor seinem Abflug nach Südafrika am 22. Oktober fiel ein PCR-Test negativ aus, auch ein erster Test bei der Ankunft in Hongkong war negativ - aber zwei Tage nach seinem Check-in im Hongkonger Quarantänehotel wurde er positiv getestet, mit einer außergewöhnlich hohen Viruskonzentration, wie Experten anmerken.

[Lesen Sie hier mehr über B.1.1.529 – Wie gefährlich ist die neue Virusvariante aus Südafrika? (T+)]

Der andere, ein 62 Jahre alter Mann - "Fall 12404" -, war einen Tag zuvor aus Kanada kommend eingeflogen und im Hotel untergebracht worden, in Zimmer 5111. Er wurde noch Tage später, am 12. und am 14. November negativ getestet - wies aber am 18. November plötzlich eine sehr hohe Viruslast auf. Die Analyse des Virusgenoms beider Infizierter ergab zahlreiche identische Mutationen, weshalb die Experten davon ausgehen, dass einer den anderen angesteckt hat. Der Jüngere den Älteren.

Aber wie?

36-Jährige trug offenbar Maske mit Atemklappe

Yuen Kwok-yung, führender Mikrobiologe an der Hong Kong-Universität, sagt, der 36-Jährige habe offenbar manchmal eine Maske mit Atemklappe, manchmal auch gar keinen Mundschutz getragen, wenn er die Tür seines Zimmers öffnete, um zum Beispiel Essensbestellungen entgegenzunehmen oder Müll in den Gang zu stellen. Das habe möglicherweise dazu geführt, dass sich Virus-Partikel im Hotelkorridor verbreiten konnten, den die Experten zudem als nicht ausreichend belüftet kritisieren.

Yuen, der die Hongkonger Regierung in ihrer Corona-Strategie berät, nennt solche Gesichtsmasken mit Atemventil "egoistisch", weil sie zwar den Träger schützen, nicht aber die Umstehenden: "Masken wie diese filtern die Luft beim Einatmen, aber beim Ausatmen wird die Luft nicht gefiltert - das ist nicht gut", sagte Yuen der "South China Morning Post".

Die schnelle Verbreitung der Variante macht Experten weltweit Sorge. Reisebeschränkungen sind eine erste Maßnahme. Viele Länder gehen seit Freitag diesen Weg. Dass das reicht, um die Variante auf seinem Weg zu einer weltweiten Bedrohung aufzuhalten, ist alles andere als ausgemacht.

Was Experten besonders überrascht: Die Viruslast dieser beiden mit B.1.1.529 in dem Hotel waren sehr hoch.

Das schreibt der Epidemiologe Eric Feigl-Ding, der lange in Harvard forschte, im Kurznachrichtendienst Twitter. Das gelte insbesondere, wenn man bedenke, dass die ersten in der Quarantäne gemachten PCR-Tests der Infizierten noch negativ waren. Es sehe so aus, als ob die Variante dem Impfschutz tatsächlich entgehen könnte, schreibt er. Das wäre eine wirklich beunruhigende Nachricht.

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