• Trump kündigt Raketenangriff auf Syrien an US-Präsident: Russland soll sich auf Raketen gefasst machen. Damaskus beklagt Eskalation

Überregionales : Trump kündigt Raketenangriff auf Syrien an US-Präsident: Russland soll sich auf Raketen gefasst machen. Damaskus beklagt Eskalation

Thomas Seibert

Trotz der Warnungen Russlands hat US-Präsident Donald Trump einen Raketenangriff auf Syrien als Vergeltung für den jüngsten Giftgaseinsatz dort angekündigt. Russland wolle zwar alle Raketen in Syrien abfangen, schrieb Trump am Mittwoch auf Twitter. Moskau solle sich aber trotzdem auf US-Raketen modernster Bauart gefasst machen, fügte er hinzu: „Sie werden kommen, schön und neu und ‚klug‘.“ Syriens Regierung sprach von einer „unverantwortlichen Eskalation“ durch den US-Präsidenten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutete indes erstmals an, dass auch sie die Regierung des syrischen Präsidenten Baschar al Assad für den Tod von bis zu 150 Menschen bei dem Giftgaseinsatz vom Wochenende verantwortlich macht.

Neben den Drohungen mit einem Militärschlag enthielten Trumps Twitter-Mitteilungen am Mittwoch auch versöhnliche Signale an Moskau. So schrieb er, der schlechte Zustand der amerikanisch-russischen Beziehungen sei zu einem Großteil auf die Ermittlungen wegen der mutmaßlichen russischen Einmischung in die US-Wahl von 2016 zurückzuführen. Diese Nachforschungen von Sonderermittler Robert Mueller seien „korrupt“.

Anders als Trump wollte sich das US-Verteidigungsministerium nicht zu militärischen Optionen in Syrien äußern. 2017 hatte Trump nach einem Giftgaseinsatz mehrere Dutzend Marschflugkörper auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt abfeuern lassen. Der russische Botschafter im Libanon, Alexander Zasypkin, hatte am Dienstag betont, sein Land werde alle US-Raketen in Syrien abschießen.

Russland hat Kampfflugzeuge und Raketenabwehrsysteme in Syrien stationiert, um der syrischen Regierung im Bürgerkrieg zu helfen. Die USA könnten für einen Angriff auf Syrien ihre Kampfflugzeuge in der Region sowie seegestützte Raketen einsetzen. Die europäische Luftfahrtbehörde Eurocontrol rief Fluggesellschaften zur erhöhter Vorsicht bei Flügen in der Nähe des syrischen Hoheitsgebietes auf. Angesichts möglicher Angriffe in der Region könne es zu Störungen der Navigationsgeräte kommen.

Neben den USA hatte auch Frankreich eine militärische Reaktion auf den Giftgaseinsatz angekündigt, mit dem syrische Regierungstruppen nach Berichten von Ärzten gegen Aufständische in Duma vorgingen. Russland gibt syrischen Rebellen die Schuld; Moskau und Damaskus haben sich mit einer Untersuchung durch internationale Experten einverstanden erklärt, was im Westen als Versuch gewertet wird, einen Angriff der USA noch zu verhindern. Bemühungen um eine gemeinsame Haltung der Großmächte im UN-Sicherheitsrat sind gescheitert.

Die russische Armee kündigte die Entsendung von Militärpolizisten nach Duma an – dieser Schritt könnte amerikanische Angriffe dort verhindern, weil Washington bei der angekündigten Strafaktion darauf achten will, keine russischen Soldaten zu treffen. Das syrische Außenministerium warf der amerikanischen Regierung vor, „Terroristen“ zu unterstützen und einen Vorwand für einen Angriff auf Syrien zu suchen.

Merkel sprach am Mittwoch mit Blick auf den Giftgasangriff von Duma von „schweren Indizien, die in Richtung des syrischen Regimes zeigen“. Diese Indizien bildeten ab sofort die Grundlage für „die weiteren Bewertungen“, sagte Merkel nach der Kabinettsklausur in Meseberg. Bisher hatte die Kanzlerin auf eine Schuldzuweisung verzichtet. An Spekulationen über einen Militäranschlag als Antwort auf den mutmaßlichen Giftgaseinsatz wollte sich Merkel nicht beteiligen.

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