Überregionales : Tote bei Anschlag in St. Petersburg

Bombe verletzt Dutzende Menschen. Sicherheitsexperten vermuten islamistischen Hintergrund

Frank Herold Frank Jansen
St. Petersburg 14.40 Uhr. Ein mit Schrapnellen gefüllter Sprengsatz explodiert in der U-Bahn der Metropole am Finnischen Meerbusen.
St. Petersburg 14.40 Uhr. Ein mit Schrapnellen gefüllter Sprengsatz explodiert in der U-Bahn der Metropole am Finnischen...Foto: imago/Russian Look

Berlin/St. Petersburg - Bei einer Explosion in der U-Bahn der russischen Metropole St. Petersburg sind am Montag mindestens zehn Menschen getötet und 47 verletzt worden, darunter auch Kinder. Die russische Generalstaatsanwaltschaft ging nach ersten Ermittlungen von einem Terroranschlag aus, schwächte die Aussage jedoch später ab. Präsident Wladimir Putin sagte, man ziehe alle Möglichkeiten in Betracht, einschließlich eines Anschlags. Putin befand sich zum Zeitpunkt der Explosion in einem Vorort von St. Petersburg und führte Gespräche mit dem weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko.

Die Detonation ereignete sich am Nachmittag in einem Waggon der Metro bei der Ausfahrt aus der Station Sennaja Ploschad nahe dem Zentrum von St. Petersburg. In den sozialen Netzwerken wurden rasch Bilder verbreitet, die eine zerstörte Metrotür, starke Rauchentwicklung in der Station und am Boden liegende Verletzte zeigten, denen Erste Hilfe zuteilwird. Auf Bildern der Videoüberwachung soll ein Tatverdächtiger zu erkennen sein, hieß es später. Nach Angaben von Sicherheitskräften habe der in einem Aktenkoffer versteckte Sprengsatz zwar keine große Explosivkraft besessen, die Wirkung sei jedoch so verheerend gewesen, weil er wie ein Schrapnell mit Metallkugeln gefüllt war. Rettungskräfte evakuierten die Station, der Metro-Betrieb wurde zeitweise komplett eingestellt.

Zunächst war von zwei Detonationen in zwei unterschiedlichen Stationen die Rede, was später aber offiziell nicht bestätigt wurde. Allerdings soll ein weiterer Sprengsatz gefunden worden sein, der nicht explodiert ist. Die Staatsanwaltschaft legte sich früh auf die Version fest, es habe sich um einen Terroranschlag gehandelt. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um alle Elemente zu ermitteln, die diesen Terrorakt ermöglicht haben“, sagte der ermittelnde Staatsanwalt Alexander Kurennoi schon zwei Stunden nach den Explosionen. Später hieß es jedoch, für irgendwelche Schlussfolgerungen sei es noch zu früh.

Zahlreiche russische Medien und der Oppositionspolitiker Gennadi Gudkow stellten einen direkten Zusammenhang zwischen dem Putin-Besuch in St. Petersburg und dem Anschlag her. Das Attentat sei nicht zufällig ausgeführt worden, sondern sorgfältig geplant gewesen, unterstellte Gudkow.

Auf dem St. Petersburger Flughafen Pulkowo ging der Flugbetrieb zwar nach einer kurzen Unterbrechung weiter, die Gepäckkontrollen wurden jedoch verstärkt. Auch in der Moskauer Metro und auf den Flugplätzen der russischen Hauptstadt befanden sich die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft.

Politiker aus zahlreichen Ländern sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. „Unser Mitgefühl gilt allen Betroffenen und ihren Familien“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter. Deutsche Sicherheitskreise vermuten einen islamistischen Hintergrund. Russland sei zweifach ins Visier der salafistischen Terrorszene geraten, hieß es. „Die Stichworte lauten Tschetschenien und Syrien“, sagte ein hochrangiger Experte dieser Zeitung. In Tschetschenien kämpften trotz der massiven Unterdrückungspolitik durch Putins Statthalter Ramsan Kadyrow militante salafistische Gruppen für einen Gottesstaat.