Überregionales : Telekom registriert mehr Cyber-Angriffe

Bis zu 15 Millionen Attacken täglich BND-Vizechef geht von großem Dunkelfeld aus

Potsdam - Die Deutsche Telekom registriert eine massive Zunahme von Cyberattacken auf ihre kritische Infrastruktur. Anfang Juni habe das Unternehmen erstmals mehr als 15 Millionen Angriffe innerhalb von 24 Stunden gezählt, sagte Telekom-Sicherheitschef Dirk Backofen am Donnerstag auf der Potsdamer Konferenz für Nationale Cybersicherheit. Durchschnittlich registriere das Unternehmen inzwischen zwölf Millionen Attacken pro Tag. Vor einem Jahr habe der Durchschnitt noch bei vier Millionen Angriffen gelegen, sagte Backofen. Die meisten Attacken kämen dabei aus Russland, sagte Backofen – zumindest laut der letzten verfolgbaren IP-Adresse: „Das heißt nicht, dass der Angriff wirklich aus Russland kommt“, erklärte der Sicherheitschef.

Für eine größtmögliche Sicherheit sei es dabei wichtig, dass der Netzwerkverkehr in Echtzeit analysiert werde, sagte Backofen. Auch auf unkonventionelle Art und Weise: Kurz vor der Bundestagswahl 2017 etwa konnten zwei Cyberattacken „auf große Dax-Unternehmen“ abgewehrt werden, weil die Angreifer die bevorstehenden Attacken fünf Minuten zuvor auf Twitter veröffentlicht hatten.

Eine Hackergruppe aber könne inzwischen klar einem Staat zugeordnet werden, sagte Verfassungsschutz-Chef Hans- Georg Maaßen: „Bei der Kampagne APT 28 reden wir inzwischen von Gewissheit, dass der russische Militärgeheimdienst dahintersteckt.“ Die Hacker-Gruppe, die auch unter dem Namen „Sofacy Group“ bekannt ist, wird unter anderem für die Attacke auf die Rechner im Bundestag 2015 verantwortlich gemacht. Die Abkürzung APT steht dabei für „Advanced Persistent Threat“, also eine „fortgeschrittene andauernde Bedrohung“.

Der Vizechef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Werner Sczesny, sagte, trotz der gestiegenen Anzahl registrierter Cyberattacken sei weiterhin „von einem großen Dunkelfeld“ auszugehen. Gleichzeitig warnte er davor, dass Cyberangriffe mit realen Maßnahmen kombiniert und so eine noch größere Wirkung erzielen könnten. Für Geheimdienste autoritärer Regime, „die ohne rechtsstaatliche Kontrolle agieren, ist ein goldenes Zeitalter angebrochen“, sagte der BND-Vizechef. Der BND dagegen sei „der bestüberwachte und bestkontrollierte Nachrichtendienst“, dessen Stärke aus der gesellschaftlichen Akzeptanz und Vertrauen wachse. Der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sagte: „Cyberangriffe müssen auch Folgen haben.“ Die Täter müssten einen abschreckenden Verfolgungsdruck spüren. René Garzke