Überregionales : SV Babelsberg in der Krise

Nach Aufsichtsratschef trat auch der Vereinspräsident zurück. Sponsor DKB wandelt Kredit in Anlage um

Henner Mallwitz

Potsdam - Finanzspritze und personeller Aderlass: Während die Umschuldung eines Darlehens der Deutschen Kreditbank (DKB) dem Fußball-Drittligisten SV Babelsberg 03 jetzt 1,3 Millionen Euro beschert, traten am gestrigen Dienstag SVB-Präsident Thomas Bastian und zwei weitere Vorstandsmitglieder sowie ein Vertreter des Aufsichtsrats zurück. Dabei ließen sie breiten Raum für Spekulationen, der genaue Grund für den Rückzug blieb unklar.

Bastian befürwortete in einer Presseerklärung die Finanzierungsvereinbarung mit der DKB, die sogenannte Genussscheine des Vereins in Höhe von 1,3 Millionen Euro gezeichnet hat. Auch die SVB-Spieler begrüßten die neue Regelung. Bislang hatte die Bank das Geld dem SVB als Kredit zur Verfügung gestellt, durch die Genussschein-Regelung wird es zum Eigenkapital des Vereins. Frühestens Ende 2017 muss der Verein die Anlagesumme für die Scheine – eine Art Wertpapier – an die Bank zurückzahlen. „Das sichert dem Verein eine längerfristige Perspektive“, sagte Bastian. Dennoch sehe er sich zum Rücktritt veranlasst, sagte der Inhaber des Thalia-Kinos. Zum einen sehe er seine Zeit als vorübergehender Vereinspräsident abgelaufen. Es sei Zeit, die Übergangslösungen im Vorstand zu beenden, sagte er. Doch ähnlich wie der am Freitag zurückgetretene Aufsichtsratschef Friedhelm Schatz kritisierte Bastian „unverständliche Störfeuer“ bei strategischen Planungen. Das habe ihn außerordentlich enttäuscht.

Am Freitag hatte bereits Ex-Aufsichtsratschef Schatz einen angeblich zu großen Einfluss der DKB auf die Vereinsentwicklung moniert. Er könne die „Spielregeln der kapitalgebenden Seite“ nicht akzeptieren. Bastian hatte den Vorstandsvorsitz 2011 übernommen, kurz nachdem die drohende Insolvenz des Vereins abgewendet, die Drittliga-Lizenz gesichert und die damalige Vereinsführung um Ex-Finanzminister Rainer Speer nach Filzvorwürfen zurückgetreten war.

Vorstandsmitglied Frank H. Walter- von Gierke wies gestern Vorwürfe zurück, die DKB würde ihr Engagement an die Einflussnahme auf die Vereinspolitik binden. „Wir hätten die Vereinbarung nicht unterschrieben, wenn die Bank in unser operatives Geschäft hätte eingreifen wollen“, sagte er. „Das ist ausgeschlossen“, sagte Geschäftsführer Klaus Brüggemann und verwies dabei auf die Kontrollfunktion des Deutschen Fußballbundes (DFB). Durch die Zeichnung der Genussscheine seien zudem die nachträglichen Linzenzauflagen des DFB erfüllt. „Ohne die Regelung wäre die Lizenz für die 3. Liga in Gefahr gewesen“, sagte Walter-von Gierke. Nunmehr seien die Voraussetzungen geschaffen, dass in Babelsberg auch in den kommenden zwei bis drei Jahren Profifußball gespielt und die neustrukturierte Jugendarbeit fortgesetzt werden könne.

Das sehen die Spieler nicht anders. „Ich habe beispielsweise einen Vertrag bis 2014 und nun endlich Planungssicherheit“, sagte Torwart Frederic Löhe. „Wir sind als Spieler für die sportliche Seite verantwortlich, die Vereinsführung für alles andere. Jeder muss seine Aufgaben machen.“ Angreifer Markus Müller ergänzte: „Leistung muss honoriert werden, jeder von uns muss an seine Existenz denken. Bis jetzt ist das Gehalt immer pünktlich gekommen und ich bin mir sicher, dass es auch so bleibt.“

Neben Bastian haben gestern auch Schatzmeister Henrik Woithe und der Fanbeauftragte Jens Lüscher den Vorstand verlassen. Außerdem trat Aufsichtsratsmitglied Ralf Schöfski zurück. Laut Verein bleibt der Vorstand handlungsfähig. Walter-von Gierke und Dirk Petermann führen die Vorstandsarbeit kommissarisch weiter. Bis Ende Januar soll ein Kandidat für das Präsidentenamt gefunden sein. Der Aufsichtsrat wird bereits in dieser Woche einen neuen Vorsitzenden wählen.

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