Streit um Parkeintritt in Sanssouci : Land will Pläne stoppen

Ein Veto Brandenburgs im Stiftungsrat gilt nun als wahrscheinlich. Ex-Stiftungschef Giersberg sagte den PNN: „Parks sollten frei zugänglich sein“

Mit oder ohne Ticket? Besucher des Parks von Sanssouci sollen künftig Eintritt zahlen – das jedenfalls sehen die aktuellen Pläne der Schlösserstiftung vor. Doch der Widerstand ist so groß, dass das Vorhaben möglicherweise scheitern wird.
Mit oder ohne Ticket? Besucher des Parks von Sanssouci sollen künftig Eintritt zahlen – das jedenfalls sehen die aktuellen Pläne...Foto: AFP

Potsdam – Für den Besuch im Park Sanssouci wird es wahrscheinlich doch keinen Pflicht-Eintritt geben. Wenn der Stiftungsrat am kommenden Donnerstag über den umstrittenen Vorstoß der Preußischen Schlösserstiftung berät, läuft es nach PNN-Informationen nämlich auf ein Veto des Landes Brandenburg hinaus.

Das Votum der Potsdamer Regierungsvertreter hat in dem Gremium, in dem als Träger der Bund (Anteil 42,05 Prozent), Brandenburg (36,60 Prozent) und Berlin (21,35 Prozent) vertreten sind, in diesem Fall maßgebliches Gewicht. Denn Brandenburg ist durch die Lage des Parkes auf dem eigenen Territorium besonders betroffen. Das Finanzministerium vom Linken Helmuth Markov, zugleich Vize-Regierungschef, hat sich bereits auf ein Nein festgelegt. Zwar befürwortet das Kulturministerium die Pläne. Doch nach PNN-Informationen ist auch Regierungschef Matthias Platzeck (SPD), er war bis 2002 Oberbürgermeister in Potsdam, gegen Sanssouci-Eintritt. Dem Vernehmen nach unterstützt Platzeck die ablehnende Linie seines Staatskanzleichefs Albrecht Gerber, der im Stiftungsrat sitzt.

Dass Berlin und der Bund Sanssouci-Eintritt gegen den Willen Brandenburgs durchsetzen, gilt indes als ausgeschlossen. Unterdessen hat sich der langjährige Sanssouci-Generaldirektor Hans-Joachim Giersberg, der als Instanz in Fragen der Schlösser und Gärten gilt, gegen den von seinem Nachfolger Hartmut Dorgerloh vorgeschlagenen Zwei-Euro- Eintritt für den Park Sanssouci ab 2013 ausgesprochen. Für Giersberg geht es, wie er gegenüber den PNN betonte, um eine Grundsatzfrage. „Parks sollten frei zugänglich sein, auch ein Welterbe. Das muss sich eine Gesellschaft leisten können“, sagte der 72-jährige, der von 1991 bis 2001 Generaldirektor war und als Institution gilt. „Besonders in Deutschland ist das eine Tradition“. Er erinnerte daran, dass schon Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. für die freie Zugänglichkeit der Schlossparks gesorgt habe. Lediglich nach 1945 habe es für zwei Jahre einen Eintritt in Sanssouci gegeben.

Unterdessen wies Dorgerloh darauf hin, dass Parkeintritt für Sanssouci nicht sein Wunsch, sondern eher eine Notlösung wäre, um den hohen Pflegeaufwand für die Anlagen zu sichern. „Besser wären höhere Zuwendungen der Träger“, betonte er. Zugleich forderte Dorgerloh, dass es in Potsdam eine Diskussion geben müsse, was der Stadt ihre „Hauptattraktion“, die Anlagen von Sanssouci, „wert“ sei. Bisher beteilige sich die Stadt nicht an der Pflege des Parks. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hatte die Eintrittspläne als „Wegezoll“ kritisiert.

Vom Pflichteintritt verspricht sich die Stiftung jährlich bis zu fünf Millionen Euro Einnahmen, Ausgaben für Zusatzpersonal werden zunächst auf 750 000 Euro geschätzt. Unterstützung kam von der Potsdamer SPD-Bundestagsabgeordneten Andrea Wicklein. Die reflexhafte Ablehnung des Vorschlags sei „wenig zielführend“. Es sei Fakt, dass die Bewirtschaftung der Parkanlagen chronisch unterfinanziert ist.(mit HK)

 

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