Strafzölle : Handel oder Krieg

Carla Neuhaus

Für Donald Trump gibt es nur zwei Arten von Handel: Der eine ist fair, der andere dumm. Als dumm bezeichnet der US-Präsident es etwa, wenn die Kanadier auf Milch aus den USA einen Zoll verlangen und so ihren eigenen Markt schützen. Dumm dürfte aus seiner Sicht auch sein, was die Europäer jetzt tun: nämlich auf die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium mit Gegenzöllen zu reagieren. Von heute an werden Motorräder, Jeans und Whiskey aus den USA durch Strafabgaben teurer. So verständlich der Impuls der Europäer ist, zurückzuschlagen – Trump wird das kaum zum Umdenken bewegen. Im Gegenteil. Es löst nur das aus, wovor alle warnen: einen Handelskrieg.

Zwar klingt ein Strafzoll auf Produkte wie Whiskey oder Erdnussbutter zunächst nicht weltbewegend. Dann trinkt man halt schottischen Whisky statt Bourbon und schmiert Nutella statt Erdnussbutter aufs Brot – so what? Auch das Wohl und Wehe der US-Wirtschaft hängt kaum von diesen Waren ab. Trotzdem setzen die Strafzölle ein klares Zeichen. Sie treffen Produkte, die typisch amerikanisch sind. Und sie kommen aus Bundesstaaten, in denen die Republikaner stark sind. Harley Davidson zum Beispiel hat seinen Hauptsitz in Wisconsin, woher der mächtige Republikaner Paul Ryan stammt. Bourbon Whiskey kommt aus Kentucky, der Heimat von Mitch McConnell, dem Anführer der Republikaner im Senat.

Deshalb kann Trump die Gegenmaßnahmen nicht einfach ignorieren. Daher ist die Gefahr groß, dass zwischen den USA und Europa ein Schlagabtausch losgeht, wie er schon jetzt zwischen den USA und China zu beobachten ist. Die Amerikaner führen Strafzölle ein, die Chinesen reagieren, die Amerikaner schlagen zurück, die Chinesen legen nach. Seit März geht das schon so: „Wie du mir, so ich dir“ in Endlosschleife. Gewinnen kann dabei am Ende keiner. Das zeigt schon das Wort: Handelskrieg.

Handel und Krieg – diese beiden Begriffe schließen sich eigentlich aus. Der Austausch von Waren setzt schließlich ein Mindestmaß an Vertrauen voraus. Ist das zerstört, straft ein Land das andere mit Zöllen ab – und beide verlieren. So treffen die US-Strafzölle gegen China zum Beispiel schon jetzt die Hälfte aller Waren, die die Amerikaner in der Volksrepublik einkaufen. Computer, Smartphones, Kleidung, Spielzeug: All das wird für US-Bürger nun teurer. Nicht nur China leidet also unter den Strafzöllen, die USA spüren die Gegenmaßnahmen ebenso.

Am Ende schwächt das die Weltwirtschaft insgesamt. „Einfach nur dagegen schießen, würde das weltweite Wachstum beenden“, mahnte erst diese Woche Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing. Und er hat recht. Einen Großteil unseres Wohlstands und Fortschritts verdanken wir heute der weltweiten Arbeitsteilung: Jeder macht das, was er am besten macht. Die Europäer wissen das – eigentlich. Die EU-Wirtschaft ist schließlich das perfekte Beispiel dafür, wie gut ein freier Handelsraum ohne Grenzen und Zölle funktionieren kann. Mit der Schaffung des EU-Binnenmarktes haben die Europäer der Welt bewiesen: Es geht auch ohne Handelsbarrieren. Lassen sich die Europäer jetzt aber auf das gefährliche Spiel mit den Strafzöllen ein, riskieren sie nicht nur tatsächlich den Handelskrieg. Sie verraten damit auch ihre Ideale. Man kann nicht einerseits den Freihandel propagieren und andererseits selbst Handelsbarrieren hochziehen.

Zumal es eine einfache Alternative gibt. Statt sich von Trump treiben zu lassen, sollten die Europäer weiter konsequent auf Freihandel setzen und die Zölle senken. Sie sollten als Vorbild vorangehen, statt auf das ewige „Wie du mir, so ich dir“ hereinzufallen. Dass Trump eine Senkung der EU-Zölle als Erfolg verkaufen würde, muss man in Kauf nehmen. Allerdings ist das ein kleiner Preis, wenn man damit die Eskalation zum Handelskrieg verhindern kann. Eine souveräne Staatengemeinschaft sollte sich von solch unreifem Verhalten nicht beeindrucken lassen. Denn das wäre tatsächlich dumm.