Überregionales : Steigende Löhne, fehlende Fachkräfte

Lage auf Brandenburgs Arbeitsmarkt gut wie nie: Früher kündigten Firmen, heute sind es die Mitarbeiter – für besser bezahlte Jobs

Potsdam - Im Land Brandenburg gibt es immer mehr gut bezahlte Jobs, während befristete Arbeitsverhältnisse, Dumpinglöhne oder Leiharbeit rückläufig sind. Das geht aus dem „Betriebspanel 2016“ hervor, das Arbeits- und Sozialministerin Diana Golze (Linke) am Montag in Potsdam vorstellte. Nach dieser mittlerweile zum 21. Mal erhobenen Längsschnittstudie, für die seit 1996 jedes Jahr rund 1000 Unternehmen befragt werden, ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt so gut wie nie. Bei den Löhnen hat Brandenburg demnach inzwischen 81 Prozent des Westniveaus erreicht. Zur Jahrtausendwende waren es 74 Prozent. Im Schnitt erhielten Arbeitnehmer im Land einen Bruttolohn von 2600 Euro gegenüber 3230 Euro in Westdeutschland. „Wir schließen langsam auf, aber wenn das Tempo so weiter geht, brauchen wir 30 Jahre, bis wir ausgeglichen haben“, sagte Golze. Dass es vor allem seit 2014/2015 aufwärts geht, führen Experten auch auf die Einführung des Mindestlohns zurück.

Es gibt eine Branche, in der in Brandenburg bereits so gut verdient wird wie in den alten Bundesländern, nämlich den öffentlichen  Dienst. Dort wird im Schnitt ein Bruttolohn von 3200 Euro gezahlt, was mit 97 Prozent nur noch geringfügig unter dem Westniveau liegt. Dass die öffentliche Hand so herangeht, hält die Linke-Ministerin für richtig, nicht für ungerecht. Die Politik sei dort, wo sie es selbst in der Hand habe, „Vorreiter“, sagte Golze. Andere Branchen müssten nachziehen.

Der Druck auf die Unternehmen, höhere Löhne zu zahlen, steigt ohnehin wegen des sich verschärfenden Fachkräftemangels, Laut „Betriebspanel“ konnte voriges Jahr jede dritte offene Fachkräftestelle (37 Prozent) nicht besetzt werden – vor drei Jahren war es noch jede fünfte Stelle. Mehr als jeder zweite Betrieb, der Mitarbeiter suchte, wurde nicht fündig. Inzwischen sitzen Arbeitnehmer häufig am längeren Hebel. Im Gegensatz zu der von hoher Arbeitslosigkeit, Personalabbau und Kündigungsrisiko geprägten Zeit vor der Jahrtausendwende sind es heute eher Arbeitnehmer, die ihre Firma feuern, weil sie oft besser bezahlte Jobs finden. Wie schon erstmals 2015 waren demnach auch 2016 die meisten Personalabgänge in Unternehmen darauf zurückzuführen, dass Arbeitnehmer selbst gekündigt haben. Der Anteil lag bei 38 Prozent, Kündigungen durch die Firmen machten 20 Prozent aus, auslaufende Verträge oder Ruhestand jeweils 13 Prozent. Angesichts der Konjunktur- und Arbeitsmarktlage, so heißt es im Bericht, „nutzen offensichtlich immer mehr Beschäftigte die Möglichkeit, ihre Beschäftigungs- und Einkommenssituation durch einen Betriebswechsel zu verbessern“. In den für Brandenburg üblichen Kleinstfirmen waren blaue Briefe der Mitarbeiter der Grund für jede zweite vakant werdende Stelle. Dazu passt, dass der Anteil atypischer Beschäftigungsverhältnisse – also Minijobs, befristete Stellen oder Leiharbeit – gesunken ist. Die Firmen merken, dass sie „Beschäftigte langfristig binden müssen, wenn sie sie behalten wollen“.

Jeder dritte Job in Brandenburg (29 Prozent) ist Teilzeit mit einem Frauenanteil von 75 Prozent. „Teilzeit ist weiblich“, sagte Silke Kriwoluzy vom Institut für sozialökonomische Strukturanalysen (Söstra), das die Daten ausgewertet hat. Von den berufstätigen Frauen arbeitet jede Dritte in Teilzeit, von den Männern jeder zehnte. Bei Führungspositionen ist die Kluft noch krasser. Der Frauenanteil bei den Chefs, also Filial- oder Betriebsleitern, Vorständen oder Inhabern, liegt in Brandenburg aktuell bei 30 Prozent „und ist damit über mehr als zehn Jahre weitestgehend konstant geblieben“.

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