Überregionales : Skandal um Gift-Eier weitet sich aus

Handelskette Kaufland in der Hauptstadtregion betroffen. Auch Salate werden zurückgerufen

Alexander Fröhlich

Potsdam/Berlin - Erstmals sind mit dem giftigen Insektizid Fipronil verseuchte Eier aus den Niederlanden auch im Handel in Brandenburg und Berlin gefunden worden. Betroffen sind Kaufland-Filialen, darunter drei in Potsdam am Hauptbahnhof, an der Zeppelinstraße und in der Waldstadt. Beliefert wurden sie von einer Logistikzentrale der Handelskette in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz), die darüber hinaus auch für Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist. Der Rückruf sei bereits ausgesprochen worden, teilte das brandenburgische Verbraucherschutzministerium in Potsdam mit.

Am Freitagmorgen war die Lebensmittelüberwachung der Potsdamer Stadtverwaltung darüber informiert worden. Als die Mitarbeiter am Morgen in den drei Filialen eintrafen, waren die betroffenen Chargen bereits aus dem Sortiment entfernt worden. Auf Nachfrage der PNN erklärte ein Sprecher der Einzelhandelskette, Kaufland-Filialen würden verkaufte Eier auch ohne Vorlage des Kassenbons zurücknehmen. Kaufland wolle nur noch Eier von Lieferanten anbieten, für die ein Nachweis vorliege, dass die Ware fipronilfrei sei. Unter Umständen könne es nun zu Lieferengpässen bei Eiern kommen.

Der Lebensmittelskandal breitete sich auch bundesweit aus: Die Anzahl der Bundesländer, die Verbraucher vor den Eiern und betroffenen Produkten warnen, erhöhte sich auf zwölf. Auch Aldi Süd und Aldi Nord nehmen als „reine Vorsichtsmaßnahme“ deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf. Die Supermarktketten Edeka und Rewe wollen auf diesen radikalen Schritt zunächst verzichten, beide beobachteten die Entwicklung aber genau, hieß es. Am Abend wurde bekannt, dass auch sechs Salatprodukte des Herstellers Neue Mayo Feinkost GmbH in Lübeck wegen belasteter Eier zurückgerufen werden. Bei der Herstellung von Kartoffel-, Eier-, Pellkartoffel-, Porree- und Thunfischsalat seien mit Fipronil belastete Eier verwendet worden, teilten die Behörden mit. Die Produkte seien in Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein vertrieben worden. Auch ein Hersteller von Frühstücksprodukten meldete eine Belastung, betroffen war in der Region aber nur ein Supermarkt in Berlin-Spandau.

Fipronil war in Belgien in ein Anti-Läusemittel für Nutztiere gepanscht worden, was verboten ist. Das pflanzlichen Desinfektionsmittel war nicht nur in den Niederlanden eingesetzt, sondern auch nach Deutschland geliefert und vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen genutzt worden.

Niedersachsen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) sagte, es handle sich nicht um drei Millionen, sondern wahrscheinlich um über zehn Millionen belastete Eier aus den Niederlanden, die in deutschen Supermärkten verkauft worden seien. Hinweise, dass auch von Geflügelfleisch eine Gesundheitsgefahr ausgehen könnte, gebe es derzeit nicht. Dies werde untersucht, ebenso Produkte, in denen Eier verarbeitet sind, wie Nudeln oder Kuchen. Verbrauchern wird geraten, auf die Registriernummen auf den Eier zu schauen. Die Nummern der belasteten Eier sind auf dem Portal lebensmittelwarnung.de zu finden.

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