• Schönbohm für Rücknahme der Rechtschreibreform Bildungsministerium: „Populistische Forderung“

Überregionales : Schönbohm für Rücknahme der Rechtschreibreform Bildungsministerium: „Populistische Forderung“

Potsdam/Hannover - Das Brandenburger Bildungsministerium lehnt eine Rücknahme der Rechtschreibreform ab. „Das Land schließt sich den populistischen Forderungen nach einer Rückkehr zur alten Rechtschreibung nicht an“, sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Thomas Hainz in Potsdam. Eine Reform der Reform sei der falsche Weg. Innenminister und CDU-Landeschef Jörg Schönbohm plädierte dagegen für eine Rücknahme der Reform. Er sagte der „B.Z.“: „Ich glaube, dass die Rechtschreibreform zum Scheitern verurteilt ist. Mit ihr wurde ein technokratisches Monstrum geboren. Sprache ist ein lebendiger Organismus, den man nicht durch Entscheidungen einer Kultusministerkonferenz ändern kann.“ Ministeriumssprecher Hainz verwies hingegen auf Begleituntersuchungen der Zwischenstaatlichen Kommission. Diese belegten, dass die Schüler mit der neuen Rechtschreibung gut klarkommen. „Sie wachsen damit auf und können sehr gut damit umgehen“, unterstrich der Sprecher. Das sei ein Unterschied zu älteren Menschen, denen die Umstellung auf die neue Rechtschreibung schwer falle. Umfragen zufolge will die Mehrheit der Deutschen zurück zu den alten Schreibweisen. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins „Stern“ waren 55 Prozent der Befragten gegen die Reform und nur 38 Prozent für die neuen Regeln. Die neue Rechtschreibung bringt nach den Worten von Hainz erhebliche Vereinfachungen mit sich. Zahlreiche frühere Sonderregeln und Ausnahmeklauseln seien weggefallen oder vereinheitlicht worden. Für die Schüler sei das eine Erleichterung. Die Reform greife und sollte nicht rückgängig gemacht werden. Das wäre das „endgültige Chaos“, betonte Hainz. Denn in dem Fall müssten schon wieder neue Schulbücher gedruckt werden. Hainz fügte hinzu, die Kultusministerkonferenz werde sich im Herbst ohnehin noch einmal mit der Rechtschreibreform befassen. Dabei könnte eine „behutsame Korrektur“ erfolgen. Die niedersächsische Landesregierung hat sich indes erneut für eine Abschaffung der neuen Rechtschreibung ausgesprochen. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bleibe bei seiner harten Linie, sagte Vize-Regierungssprecher Volker Benke am Freitag in Hannover. Zunächst müsse die Reform beendet werden, danach könne man über einzelne Vereinfachungen in der Rechtschreibung reden. Benke betonte, dass die Landesregierung Niedersachsens die Rechtschreibreform als gescheitert betrachte. Das veränderte Regelwerk habe zu einer „völligen Zerfaserung“ der Orthografie geführt. Deshalb würden jetzt Gespräche mit den anderen Ländern geführt, fügte Benke hinzu. Auch aus der Schweiz und Österreich gebe es Signale, dass man dort mit der neuen Rechtschreibung nicht zufrieden sei. ddp