Überregionales : Schlechte Umfragewerte für Söder und Seehofer

Stephan-Andreas Casdorff

Berlin - In den Unionsparteien wächst von Tag zu Tag die Unruhe. Jüngste schlechte Umfragezahlen aus Bayern für die CSU verstärken die gegenseitige Irritation und den Druck noch. Ein gütliches Ende der bisher so noch nie da gewesenen Konfrontation zwischen den Vorsitzenden Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) über die Flüchtlingsfrage ist nicht abzusehen. Auch der Berliner Koalitionspartner SPD ist zu Beginn dieser als schicksalhaft angesehenen Woche in Alarmstimmung. Auf allen Seiten werden bereits Szenarien durchgespielt, was geschieht, wenn sich Bundeskanzlerin und Bundesinnenminister nicht einigen können. Am Sonntag will die CSU unter Führung Seehofers entscheiden, welche Schlüsse sie aus der Woche zieht.

Eine Trennung der seit Jahrzehnten in der Unionsfraktion des Bundestages vereinten Parteien CDU und CSU ist nicht abgewendet. Der Verlauf der Woche, so heißt es auf beiden Seiten, ist entscheidend. Appelle zur Mäßigung, interne wie öffentliche, hatten noch keine erkennbare Wirkung. Im CDU-Präsidium herrscht die Meinung vor, dass es für keine der beiden C-Parteien von Vorteil wäre, künftig getrennt vorzugehen.

Gestützt wird diese Ansicht von jüngsten „Forsa“-Umfragezahlen für RTL und n-tv. Danach ist sowohl die Zufriedenheit mit Seehofers hartem Kurs im Amt des Bundesinnenministers als auch mit Ministerpräsident Markus Söder (CSU) überraschend gering. Im Falle Söders liegt sie bei 38 Prozent und damit etwa so niedrig wie kurz vor der Ablösung Seehofers als bayerischer Regierungschef. Hinzu kommt, dass die Zufriedenheit mit Merkels Politik in Bayern größer ist als angenommen. Darüber hinaus finden selbst unter den CSU-Anhängern 66 Prozent, dass es noch Wichtigeres als das Flüchtlingsthema gibt. Stephan-Andreas Casdorff