Überregionales : Ryanair-Piloten streiken am Freitag

In Brandenburg und Berlin sind potenziell 8000 Reisende betroffen – 250 Flüge fallen in Deutschland aus

Heike Jahberg Berlin Rolf Obertreis

Mitten in der Ferienzeit machen die deutschen Piloten des Billigfliegers Ryanair mit ihrer Streikdrohung Ernst und legen am Freitag die Arbeit nieder. Ihr Arbeitskampf dürfte die Reisepläne von Zehntausenden durchkreuzen. Betroffen sind alle 250 Verbindungen, die eigentlich von Freitagmorgen 03:01 Uhr bis Samstagmorgen 02:59 Uhr aus Deutschland abfliegen sollen. Nur am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden sollen die Maschinen am Freitag planmäßig starten: Dort wollen die Piloten unbedingt arbeiten.

„In Berlin und Brandenburg sind potenziell 8000 Reisende betroffen“, sagte eine Sprecherin der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg dieser Zeitung. Für den Streikzeitraum stehen 47 Verbindungen von Berlin-Schönefeld und ein Flug ab Tegel auf dem Flugplan. Reisende sollten sich an Ryanair wenden, heißt es bei der Flughafengesellschaft. Dort dürften sie allerdings keine guten Nachrichten bekommen. Deutschlandweit müssen wohl rund 42 000 Menschen umdisponieren, erklärte Ryanair-Manager Kenny Jacobs am Mittwoch. Die Airline wollte noch am Mittwoch alle Passagiere verständigen. Ihnen wird eine kostenlose Umbuchung auf Flüge an anderen Tagen angeboten. Die Kunden können sich aber auch die Kosten für den Flug erstatten lassen.

Mit ihrem Streik will die Gewerkschaft einen Tarifvertrag bei Ryanair erzwingen. Cockpit fordert für die rund 480 Ryanair-Piloten in Deutschland eine bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen. „Die Piloten sind keine Nomaden, die ihre Zelte da aufschlagen, wo Ryanair Geschäft wittert“, sagte Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik bei Cockpit. Nur zwei Drittel der Piloten in Deutschland seien fest angestellt, heißt es bei der Gewerkschaft – Ryanair spricht von 80 Prozent. Auch bei der Frage, wie viel die Piloten verdienen, gehen die Angaben auseinander. „Unsere Piloten in Deutschland genießen hervorragende Arbeitsbedingungen. Kapitäne verdienen bis zu 190 000 Euro im Jahr. Im Schnitt bekommen sie 30 Prozent mehr als Piloten bei der Lufthansa-Tochter Eurowings“, behauptet Jacobs. Gewerkschaftsvertreter Schumacher setzt das Gehalt für Kapitäne dagegen bei 110 000 Euro an, mit Zulagen seien maximal knapp 160 000 Euro möglich. Co-Piloten würden bei Ryanair derzeit mit fix 40 000 Euro brutto bezahlt, mit Zulagen könnten sie ihr Einkommen im besten Fall fast verdoppeln. Cockpit möchte den Fixanteil erhöhen und Gehaltsstufen je nach Berufserfahrung der Piloten wie bei anderen Airlines festschreiben. Die Arbeitszeit pro Tag soll auf maximal 16 Stunden festgeschrieben werden.

Weitere Streiks sind möglich – auch noch in den Sommerferien. Allerdings will Cockpit diese 24 Stunden im Voraus ankündigen. Und nicht nur in Deutschland legen die Piloten die Arbeit nieder. Auch in Irland, Schweden und Belgien soll Ryanair am Freitag bestreikt werden. Dadurch fallen europaweit rund 400 der etwa 2400 Flüge aus. Europaweit sind 55 000 Passagiere betroffen.

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