Überregionales : Rabatte sollen Diesel retten

Hersteller bieten Umstiegsprämien beim Kauf von Neuwagen an. VW gibt bis zu 10 000 Euro Preisnachlass

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Autohersteller überbieten sich mit Kaufprämien für Besitzer alter Dieselautos. Der Volkswagen-Konzern erlässt Haltern von alten Fahrzeugen mit den Abgasklassen Euro 1 bis Euro 4 bis zu 10 000 Euro vom Kaufpreis, wenn sie ein neues Diesel-Modell von VW oder Audi erwerben. Dies teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Auch die Audi-Schwestermarken Skoda und Porsche bieten eine „Umstiegsprämie“ an: Wer ein neues SUV von Porsche kauft, kann mit einem Preisnachlass von 5000 Euro rechnen.

Der Wettbewerber Daimler erklärte am Dienstag auf Nachfrage, auch Mercedes zahle 2000 Euro beim Kauf eines neuen Dieselfahrzeugs, wenn ein altes Euro-1- bis Euro-4-Fahrzeug in Zahlung gegeben werde. Wie bei Volkswagen können dabei auch Modelle fremder Marken eingetauscht werden, sagte eine Sprecherin dieser Zeitung. Die Altfahrzeuge, die die Kunden mindestens sechs Monate lang gehalten haben müssen, sollen verschrottet werden, wenn sich der Kunde für die Prämie entscheidet. Die gestaffelten Rabatte orientieren sich am Neupreis. Je teurer das neue Fahrzeug, desto höher der Nachlass. Die Marke Volkswagen etwa bietet 2000 Euro beim Kauf des Kleinstwagens Up, 5000 Euro für den Golf und 10 000 Euro beim Kauf eines Touareg-Geländewagens. Für VW-Nutzfahrzeuge gibt es bis zu 10 000 Euro Rabatt.

BMW, Ford und Toyota bieten ebenfalls Umstiegsprämien an. Entsprechende Programme hatten die deutschen Autobauer vor einer Woche auf dem Diesel-Gipfel angekündigt. Damit sollen zusätzlich zu den beschlossenen Software- Updates bei jüngeren Dieselautos die Stickoxid-Emissionen in Deutschland rasch gesenkt werden. BMW zahlt demnach wie Mercedes 2000 Euro für ältere Diesel, wenn es ein neuer BMW i3, ein Plug-in-Hybrid oder ein Euro-6-Neuwagen mit einem CO2-Wert von maximal 130 Gramm pro Kilometer wird. Die Rabatt-Aktionen aller Hersteller sind bis Ende 2017 befristet.

Kunden, die sich für ein Elektroauto entscheiden, können die staatliche Kaufprämie („Umweltbonus“), die zur Hälfte von den Herstellern getragen wird, von bis zu 4000 Euro in Anspruch nehmen. Weil die Nachfrage bislang schleppend läuft, legen die Hersteller nun auch hier nach. So bieten die VW-Marken zusätzlich eine „Zukunftsprämie“ von 1000 bis 2380 Euro beim Kauf eines Autos mit Erdgas-, Hybrid- oder Elektroantrieb an. Wer sich für einen neuen Smart Electric Drive aus dem Daimler-Konzern entscheidet, bekommt einen Rabatt von 1000 Euro, wie die Sprecherin dieser Zeitung sagte.

Der Marktanteil von Dieselfahrzeugen war zuletzt im Zuge des Dieselskandals und der Debatte um Fahrverbote auf nur noch gut 40 Prozent gefallen. Vor einem Jahr lag er um fast ein Fünftel höher. „Die Abwrackprämie von VW dient wohl eher der Dieselabsatzförderung als dem Umweltschutz“, kritisierte der Grünen- Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer am Dienstag. Nach Zahlen des Kraftfahrt- Bundesamtes fahren rund 6,4 Millionen alte Dieselautos in Deutschland. Der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass „das Rabattniveau auch in den nächsten Monaten deutlich ansteigt“. Der Kfz-Verband ZDK warnte vor finanziellen Lasten für die Autohändler. Die Verschrottungsprämien müssten ausschließlich die Hersteller tragen.

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