Überregionales : Polizei warnt vor unbekannten Paketen

Hinter Potsdamer Bombe steckt Erpressung gegen DHLErmittler vermutenTäter aus dem RaumBerlin-BrandenburgSie fordern Millionen und drohen mit weiteren Paketbomben

Erpressung per QR-Code. Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke (l.) zeigte bei der Pressekonferenz, wie lang der Text des Erpresserschreibens ist, der über einen QR-Code hinterlegt war. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD, M.) verkündete die jähe Wendung in den Ermittlungen zur Paketbombe vom Potsdamer Weihnachtsmarkt.
Erpressung per QR-Code. Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke (l.) zeigte bei der Pressekonferenz, wie lang der Text des...Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Die Paketbombe, die am Freitag an eine Apotheke am Potsdamer Weihnachtsmarkt geliefert wurde, ist Teil einer Millionenerpressung gegen den Paketdienst DHL. Die Erpresser forderten eine Millionensumme von DHL und nähmen „schwerste Verletzungen der Adressaten oder sogar deren Tötung billigend in Kauf“, um diese Forderung durchzusetzen, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Sonntag in Potsdam. Ziel der Paketbombe sei aber nicht der Weihnachtsmarkt gewesen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der oder die Erpresser aus Berlin oder Brandenburg stammen. Es sei wahrscheinlich, dass die unbekannten Täter im Weihnachtsgeschäft weitere Paketbomben versenden würden, sagte Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Die Warnung richte sich vorrangig an kleine Unternehmen, aber auch Privatpersonen könnten Adressaten sein. Anfang November sei bereits eine Paketbombe bei einem Unternehmen in Frankfurt (Oder) eingegangen. Das Paket sei beim Öffnen in Flammen aufgegangen.

Beide Pakete seien hochgefährlich gewesen, so Innenminister Schröter. Die Sicherheitsbehörden revidierten damit ihre bisherige Aussage, wonach das Potsdamer Paket keinen Zünder enthalten habe. Es sei „eher einem glücklichen Umstand zu verdanken“, dass das Potsdamer Paket nicht explodierte, sagte Schröter. Der Apotheker habe beim Öffnen ein Zischen gehört. Das Paket enthielt Hunderte Nägel und einen illegalen Böller. Bei einer Explosion hätte es zu „schwersten Verletzungen“ führen können, so Schröter.

Die Polizei und Brandenburgs Innenminister riefen die Bevölkerung auf, bei verdächtigen Paketen von unbekannten Absendern die Polizei zu verständigen und das Paket unter keinen Umständen zu öffnen. Es sei ein Hinweistelefon geschaltet (0331/ 50 59 50). Als verdächtig gelten laut Polizei auch auffällige Rechtschreibfehler, schlecht leserlich geschriebene Adressen, Flecken auf dem Paket sowie herausragende Drähte. Wer ein unbekanntes Paket erhalte, solle es stehenlassen, weggehen und die Behörden alarmieren.

DHL äußerte sich am Sonntag nicht zu der Erpressung. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt geben wir dazu keine Stellungnahme ab“, sagte ein DHL-Sprecher in Bonn. Der zur Deutschen Post gehörende Paketdienst hatte 2016 als Marktführer 1,2 Milliarden Pakete in Deutschland zugestellt. Am Spitzentag im Weihnachtsgeschäft waren es 8,4 Millionen Pakete.

Der Erpressung waren die Potsdamer Ermittler auf die Spur gekommen, weil sie ein Papier wieder zusammensetzten, das sich in dem am Potsdamer Weihnachtsmarkt zugestellten Paket befunden hatte. Darauf sei ein QR-Code gedruckt gewesen, der zu dem Erpresserschreiben führte. Bei der ersten Paketbombe in Frankfurt (Oder) sei der QR-Code verbrannt. Weil die Codes sich in den Paketen befanden, gehe die Polizei von „einer gewissen Irrationalität des Täters aus“, so Polizeipräsident Mörke. Die QR-Codes erlaubten nahezu keine Rückverfolgung zu den Erstellern. In anderen Bundesländern habe es keine vergleichbaren Pakete gegeben. Aufgegeben wurde die Potsdamer Paketbombe am Donnerstag gegen 7 Uhr an einer DHL-Packstation in der Kantstraße Ecke Roseggerstraße in Potsdam-West. Die Polizei sucht jetzt nach Zeugen, die zu diesem Zeitpunkt an der Packstation verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben.

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.