Überregionales : Polizei vermutet Islamisten als Täter

Festnahme nach Anschlag von Dortmund. Bekennerschreiben: IS führt Todesliste mit Prominenten

Frank Jansen

Berlin - Der Anschlag in Dortmund hat möglicherweise einen islamistischen Hintergrund. Die Polizei nahm Mittwoch in Wuppertal einen Salafisten fest und durchsuchte seine Wohnung. Auch die Räume eines Islamisten nahe dem westfälischen Unna wurden durchsucht. Die Bundesanwaltschaft prüft, ob gegen den festgenommenen Wuppertaler ein Haftbefehl beantragt wird.

Die Explosion von drei mit Metallstiften gespickten Sprengsätzen traf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund, der am Dienstagabend zum Stadion unterwegs war. Mehrere Scheiben wurden zerstört. Im Fahrzeug erlitt der Spieler Marc Bartra eine schwere Verletzung am rechten Unterarm. Bartra musste im Krankenhaus operiert werden. Ein Polizist erlitt zudem ein Knalltrauma und einen Schock. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Anschlag als „widerwärtige Tat“.

Das Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco wurde um einen Tag verschoben. Borussia Dortmund Trainer Thomas Tuchel hat die schnelle Wiederansetzung des Champions-League-Spiels gegen den AS Monaco kritisiert. „Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht, damit umzugehen“, sagte der Coach am Mittwochabend kurz vor dem Anpfiff im TV-Sender Sky.

Noch in der Nacht fand die Polizei am Tatort drei gleichlautende Exemplare eines Bekennerschreibens. Der anonyme Verfasser erwähnt „im Namen Allahs“ den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, beschimpft Kanzlerin Merkel und behauptet, alle ungläubigen Sportler und weitere Prominente „in Deutschland und anderen Kreuzfahrer- Nationen“ stünden auf einer Todesliste der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Gefordert wird zudem, Deutschland solle seine Tornado-Kampfflugzeuge aus Syrien abziehen und der US-Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein müsse geschlossen werden. Auch die islamistische Sauerland- Gruppe hatte 2007 einen Anschlag auf die Militärbasis geplant.

Angesichts der Erwähnung des IS ermittelt die Bundesanwaltschaft nicht nur wegen versuchten Mordes, sondern auch wegen des Anfangsverdachts auf die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Sicherheitskreise schließen jedoch nicht aus, Rechtsextremisten könnten den Anschlag verübt haben und wollten mit dem Bekennerschreiben die Verantwortung den verhassten Islamisten zuschieben.

Da die Täter noch nicht ermittelt sind, befürchtet das Bundeskriminalamt, weitere Anschläge könnten bevorstehen. Bundesweit sei „mit dem Eintritt eines weiteren schädigenden Ereignisses mit hoher Wahrscheinlichkeit zu rechnen“, heißt es in einem Vermerk des BKA vom Mittwoch. In seinem „Prognosemodell“ zur Terrorgefahr bewertet das BKA die aktuelle Lage mit der zweithöchsten Stufe. Das gehe aus einer Lageanalyse der Behörde hervor, heißt es in Sicherheitskreisen. Die Vorgehensweise des Täters oder der Täter wird allerdings als „atypisch zu dem bislang hier bekannten Modus Operandi islamistischer Tätergruppierungen“ bezeichnet. mit dpa