Politik : SPD-Politiker Egon Bahr ist gestorben

Der SPD-Politiker Egon Bahr ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Das bestätigte am Donnerstag ein Parteisprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Egon Bahr (1922 - 2015). SPD-Politiker und Gestalter der Ostpolitik.
Egon Bahr (1922 - 2015), SPD-Politiker, Gestalter der Ostpolitik, Vertrauter Willy Brandts: „Menschen aus allen Teilen des Landes...Foto: dpa

Der SPD-Politiker Egon Bahr ist tot. Der frühere enge Vertraute des SPD-Kanzlers Willy Brandt und Ex-Bundesminister starb im Alter von 93 Jahren. „Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren“, sagte Parteichef Sigmar Gabriel am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Die deutsche Sozialdemokratie und viele Menschen in Europa trauerten um einen „mutigen, aufrichtigen und großen Sozialdemokraten, den Architekten der deutschen Einheit, Friedenspolitiker und Europäer“, sagte Gabriel. Bahr galt zusammen mit Brandt als Architekt der deutschen Ostpolitik. Die Annäherung an Moskau und die DDR war eine wichtige Voraussetzung zur späteren Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas.

Als Freund und Ratgeber wird er fehlen

Bahr sei ein großer Vordenker mit einzigartiger politischer Tatkraft gewesen. „Er vertraute wesentlich auf die Macht der Freiheit und die Kraft des Gesprächs, das war die Grundlage für den „Wandel durch Annäherung““, sagte Gabriel. Bis zuletzt sei Bahr stets ein loyaler und unermüdlicher Ratgeber der SPD gewesen. „Wir werden seine analytische Brillanz, seine Rationalität und Leidenschaft, aber auch sein Temperament und seinen liebenswürdigen Humor sehr vermissen“, betonte Gabriel. „Ich werde Egon auch als Freund und Ratgeber sehr vermissen.“

Egon Bahr galt als einer der Wegbereiter der neuen deutschen Ostpolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt (1969 bis 1974). Der am 18. März 1922 geborene Politiker war zu Zeiten des Mauerbaus 1961 Sprecher des Berliner Senats, später unter anderem Staatssekretär im Kanzleramt. 1972 wurde er in Brandts Kabinett Minister für besondere Aufgaben, später übernahm er das Entwicklungsressort. 1976 übernahm er das Amt des Bundesgeschäftsführers der SPD. Bis ins hohe Alter meldete er sich immer wieder in öffentlichen Auftritten zu Wort, häufig in Fernseh-Talkshows. Bahr war erst Ende Juli noch in Moskau und hatte sich dort zusammen mit dem Ex-Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukrainekrise ausgesprochen.

Gysi würdigt Bahr als hochintelligenten und einfühlsamen Politiker

Linken-Fraktionschef Gregor Gysi würdigte Bahr in einer Erklärung als "hochintelligenten, einfühlsamen und rhetorisch sehr begabten Politiker". Bahr habe sich selbst zunächst als "Kalten Krieger" gesehen; Dann sei er für geregelte vernünftige Beziehungen zur Sowjetunion, zu ganz Osteuropa einschließlich der DDR eingetreten, schrieb Gysi. (AFP/dpa)