Überregionales : Plattner gibt die Mitte auf

Milliardär: Die Kunsthalle kommt an Potsdams StadtrandGrund sind die Konflikte um den Abrissdes Mercure-HotelsPolitik bedauertVerlust und wirbtfür Prestigestandort

Alexander Fröhlich
Kein Abriss. Das Mercure-Hotel bleibt wohl über Jahre im Lustgarten stehen – statt der Kunsthalle von Mäzen Hasso Plattner.
Kein Abriss. Das Mercure-Hotel bleibt wohl über Jahre im Lustgarten stehen – statt der Kunsthalle von Mäzen Hasso Plattner.Foto: dpa

Potsdam - Der Softwaremilliardär und Mäzen Hasso Plattner will seine Kunsthalle doch nicht in Potsdams Mitte bauen. Stattdessen soll das erst im April vorgestellte Projekt auf dem Gelände des Softwarekonzerns SAP am Jungfernsee am nördlichen Stadtrand verwirklicht werden, einem früheren Kasernengelände, wo das Unternehmen derzeit ein Innovationszentrum baut und bei der Baugenehmigung keine Konflikte drohen – abseits gelegen und schlecht erreichbar. Diesen überraschenden Schritt kündigte Plattner am Mittwoch in Potsdam an. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (beide SPD) hatten zuvor versucht, den Unternehmer noch umzustimmen. Jakobs sowie große Teile der Stadtpolitik äußerten sich gestern enttäuscht, äußerten jedoch die Hoffnung, den Mäzen doch noch überzeugen zu können.

Plattner begründete den Rückzug vom Prestigestandort mit Konflikten um das Mercure-Hotel im Lustgarten, das für den Bau der Kunsthalle abgerissen werden sollte. Zwar habe es viel Zuspruch gegeben, aber auch Ablehnung. Angesichts sehr hoher Kosten – Grundstückskauf, Abriss und Neubau taxierten Experten auf rund 45 Millionen Euro – sei die Kunsthalle an seinem Wunschstandort nicht vermittelbar, sagte Plattner. Er wolle das Projekt nicht gegen den Willen einer Minderheit durchsetzen.

Tatsächlich hatten Tourismus- und Hotelbranche angesichts hoher Besucherzahlen den Verlust zahlreicher Gästebetten und Arbeitsplätze beklagt. Zudem entzündeten sich an dem früheren Interhotel alte Konflikte. Viele alteingesessene Potsdamer empfänden im Gegensatz zu Zugereisten den Abriss als „Verlust an DDR-Geschichte“, so Plattner. Vor allem die Linke hatte Bedenken am Standort geäußert, massive Kritik aber vermieden. Streit gab es offenbar mit der Weissen Flotte, die auf dem Gelände ein Restaurant- und Verwaltungsgebäude bauen will. Sowohl die Fahrgastschifffahrt, als auch die Kunsthalle am gleichen Standort unterzubringen, erwies sich laut Plattner als unlösbar. Den bereits ausverhandelten Kaufvertrag mit dem Mercure-Grundstückseigentümer, der US-Investmentgesellschaft Blackstone, will Plattner nun nicht unterschreiben. Die Frist dafür endet am 15. Juli.

Laut Jakobs läuft es nun darauf hinaus, dass das 17-geschossige Hotel mindestens weitere 20 Jahre betrieben wird. Für einen Ankauf fehle der Stadt das Geld, sagte der Rathauschef. Trotz des Standortwechsels zeigte sich Jakobs erleichtert, dass die Kunsthalle trotzdem in Potsdam gebaut werden soll. Auch andere Städte, darunter Berlin, hatten um die Kunsthalle gebuhlt. SPD, CDU, Grüne und FDP werteten Plattners Entscheidung als herben Verlust für die historischen Mitte. Es müsse alles getan werden, um den Standort im Lustgarten zu retten. Die Linke dagegen sieht ihre Bedenken bestätigt. TV-Moderator Günther Jauch, ebenfalls eifriger Spender und Potsdamer, kommentierte Plattners Rückzug von dem „idealen“ Standort mit einem Seitenhieb auf Potsdamer Verhältnisse. „Der Mann hat mit der Stadt wirklich eine Mischung aus Esels- und Engelsgeduld“, sagte Jauch. „Gleichzeitig vermag ich nicht zu sagen, ob hier wieder mal Potsdamer Verhinderungsexperten am Werk waren.“

Der Mäzen, der in Potsdam bereits das Hasso-Plattner-Institut gegründet und mehr als 20 Millionen Euro für die historische Fassade und das Kupferdach des Landtagsschlosses gespendet hat, will der Stadt die Kunsthalle zum Geschenk machen und sowohl Bau, als auch Betrieb bezahlen. Plattner will dort ostdeutsche Kunst der vergangenen 60 Jahren, wechselnde Ausstellungen und später Teile seiner Privatsammlung zeigen, darunter Meisterwerke der klassischen Moderne. Der Standort im Lustgarten galt als große Chance für die Landeshauptstadt. Das gesamte Ensemble aus wiederbelebter historischer Innenstadt, neuem Landtagsschloss und Kunsthalle wäre einmalig und in der ohnehin bei Touristen beliebten Stadt eine weitere Attraktion.

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