Panorama : Multi-Kulti bei Rassisten

Eine Gruppe des berüchtigten Ku-Klux-Klan will sich auch für Schwarze und Juden öffnen

Lars Halter
Zeremonie mit weißen Kutten. Die Bekleidung hatte der Ku-Klux-Klan Ende des 19. Jahrhunderts gewählt, um abergläubische Schwarze zu erschrecken.
Zeremonie mit weißen Kutten. Die Bekleidung hatte der Ku-Klux-Klan Ende des 19. Jahrhunderts gewählt, um abergläubische Schwarze...Foto: picture alliance/dpa

New York - Unter der weißen Haube ein schwarzes Gesicht? Unter der Kutte ein Halskettchen mit Davidstern? Für John Abarr ist das denkbar. Der fleischige 44-Jährige, der seit seinem 18. Lebensjahr dem Ku-Klux-Klan angehört, will die Hassgruppe für andere Rassen öffnen. Schwarze sollen mitmachen, gerne auch Juden. Dem „neuen KKK“ gehe es weniger um den Hass auf andere als um den Schutz der weißen Rasse.

Der Klan, so sagt Abarr, sei für die Weißen letztlich das, was die anerkannte NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) für die Schwarzen sei. Der Vergleich dürfte schwarze Amerikaner auf die Barrikaden bringen: Die NAACP war in den Sechzigerjahren die treibende Kraft hinter den gewaltfreien Protesten der schwarzen Bürgerrechtsbewegung; der Ku-Klux- Klan ist für Lynchmorde an Schwarzen berüchtigt.

Doch das sei eben der „alte Klan“, sagt Abarr. Seine Gruppe, die „Rocky Mountain Knights“, vertrete eine neue Generation, und laut Statuten darf nun jeder Mitglied werden. Festhalten will Abarr an den geheimen Ritualen, der geheimnisvollen Sprache des Verbands und den Kostümen mit weißen Kutten und Spitzhauben. Die hatte der Klan Ende des 19. Jahrhunderts gewählt, um abergläubische Schwarze zu erschrecken. Die sollten glauben, bei den Horden handele es sich um die Geister südstaatlicher Soldaten – selbst damals fiel kaum jemand auf den Trick herein.

Von allen Seiten bekommt Abarr Gegenwind. Bradley Jenkins, einer der ranghöchsten „Hexenmeister“ im Verband, will Abarr verbieten lassen, den Namen des KKK für seine Ideen zu nutzen. „Seine Initiative stellt sich gegen jedes Prinzip unserer Organisation und jede Regel unserer Satzung“, sagt Jenkins.

Allerdings ist der Klan, der in den USA seit 1870 immer wieder in Erscheinung getreten ist, heute ein Schatten seiner selbst. Einst hatte man bis zu drei Millionen Männer, die in großen Gruppen meist nachts zu Pferde loszogen, um Schwarze zu bedrohen und zu Tausenden umzubringen. Heute gibt es nur noch Splittergruppen. Ihnen fehlt die Infrastruktur, die der Klan einst hatte. Lediglich der Hass auf andere ist ihnen geblieben, und der zielt heute auch auf Schwule und andere Minderheiten.

Von Hass will John Abarr nichts wissen. Er sei selbst mit Schwarzen befreundet, beteuert er, und 2013 organisierte er gar eine „Friedenskonferenz“ gemeinsam mit schwarzen Bürgerrechtlern. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die NAACP nicht ausschließlich schwarze Mitglieder habe, und dass der Einfluss anderer Gruppen die Organisation stärke. Jimmy Simmons, Präsident der NAACP- Delegation bei Abarrs Konferenz, glaubt durchaus, dass der Klan-Mann hehre Ziele hat. Einer lokalen Zeitung sagte er, er denke selbst über eine mögliche Mitgliedschaft nach, auch wenn „die Buchstaben KKK noch immer Angst und Schrecken unter Schwarzen“ verbreiteten.

Abarr glaubt selbst nicht, dass sehr viele Nicht-Weiße seinen Rocky Mountain Knights beitreten werden. Ohnehin sei der Klan für ihn vor allem eine Organisation, die sich gegen die neue Weltordnung wehre. Abarrs Theorien sind letzten Endes eine bekannte Mischung aus Intoleranz und Verfolgungswahn, die in den vergangenen Jahren auch die Tea Party als rechten Arm der Republikaner in den Kongress gebracht hat. Auch Abarr scheint politische Ambitionen zu haben. In Montana kandidierte es 2011 für ein Amt im Kongress des Bundesstaates, gab aber noch vor den Wahlen auf.

Einen Publicity-Stunt, möglicherweise für einen weiteren Wahlkampf, vermutet auch Heidi Beirich vom Southern Poverty Law Center, das ebenfalls rechte und verfassungsfeindliche Organisationen beobachtet. „Ein nicht-rassistischer Klan ist völlig absurd“, sagt Beirich. „Abarr will sich nur wichtig machen.“ Es habe vor einigen Jahren in Alabama schon einmal eine Klan-Gruppierung gegeben, die behauptet hatte, nicht rassistisch zu sein. „Das was totaler Quatsch“, sagt die Expertin. „Jetzt haben wir das zum zweiten Mal, und es ist völlig lächerlich.“

Dabei sind zumindest einige Mitglieder des traditionellen Ku-Klux-Klan selbst an einer Neuausrichtung interessiert – an einem „Re-Branding“, wie es der Sender CNN jüngst ausdrückte. Als im April dieses Jahres der 73-jährige Frazier Glenn Miller, selbst ein früherer Klan-Chef, in Kansas City zwei jüdische Einrichtungen stürmte und dabei drei Menschen erschoss, gab es Proteste seitens seiner einstigen Brüder.