Hartnäckiger Winter : Schneerekord zum Frühlingsanfang

An manchen Orten in Berlin und Brandenburg fiel diese Woche so viel Schnee wie das ganze Jahr nicht.

Mit Schneemütze. Auch die Seepyramide im Fürst-Pückler-Park in Branitz bei Cottbus ist eingeschneit. Auch in den nächsten Tagen soll es weiterschneien.
Mit Schneemütze. Auch die Seepyramide im Fürst-Pückler-Park in Branitz bei Cottbus ist eingeschneit. Auch in den nächsten Tagen...Foto: Patrick Pleul/dpa

Potsdam/Berlin - Knackige Kälte, Schneepflüge auf den Straßen und Bürgersteigen, weiße Parks und Gärten. So viel Schnee wie derzeit hat es mancherorts in Berlin und Brandenburg den ganzen Winter nicht gegeben. 15 Zentimeter Neuschnee fielen beispielsweise allein am gestrigen Donnerstag in Potsdam, den bisherigen Rekord hielten bislang die 14 Zentimeter Ende Februar, wie der Meteorologe Wolfgang Harno vom Deutschen Wetterdienst sagt. In Berlin spricht man sogar von einer Jahrhundertwetterlage. „So etwas hat es im letzten Märzdrittel in Berlin seit mehr als hundert Jahren nicht gegeben“, sagt Wetterkundler Friedemann Schenk vom Meteorologischen Institut der Freien Universität (FU). „Das ist ein aboluter Rekord.“

Nicht nur in Berlin und Potsdam, auch andere Brandenburger Orte versanken Anfang der Woche im Schnee. In Berge bei Pritzwalk fielen 20 Zentimeter, zwölf Zentimeter mehr als der bisherige Rekord dort. Auch in Wittstock wurde mit 15 Zentimetern ein neuer Höchstwert erreicht. Und noch einen Rekord kann Harno vermelden: Seit 1893 ist es in Potsdam erst fünfmal vorgekommen, dass Ende März noch mehr als zehn Zentimeter Schnee lagen.

Den erneuten Wintereinbruch merkte auch der Brandenburger Landesbetrieb Straßenwesen. Schon 90 000 Tonnen Streusalz wurden dieses Jahr einer Sprecherin zufolge verbraucht, 20 000 mehr als geplant. Und der Meteorologe macht auch keine Hoffnung auf Besserung. „Es kann durchaus sein, dass Ostern weiß wird“, sagt Wolfgang Harno. Zwar soll es in den kommenden Tagen kaum noch schneien, aber es wird noch kälter, als es schon ist. In der Nacht zu Samstag werden bis zu minus zehn, in der Nacht zu Sonntag sogar bis zu minus 14 Grad erwartet. Tagsüber werden die Berliner und Brandenburger dafür aber mit ein paar Sonnenstrahlen entschädigt.

Dramatisch ist der lange Winter vor allem für die 220 Großgärtnereien und Blumencenter in der Hauptstadtregion. „Unsere Gewächshäuser quellen über mit Stiefmütterchen, Primeln, Tausendschön und anderen frühen Zierpflanzen, die uns zurzeit keiner abkauft“, klagt der Geschäftsführer des regionalen Gartenbauverbandes, Andreas Jende. Gleiches gelte für junge Gemüsepflanzen. „Das ganze wichtige Vorostergeschäft bricht weg.“ Hinzu kommen extrem hohe Energiekosten. Und die unverkaufte Ware blockiere den Platz, „der gebraucht wird, um ab März Sommerblumen anzuziehen“.

Sven Wachtmann, Fachberater beim Verband der Berliner Kleingärtner, ist hingegen noch entspannt. „Schlimm wäre Frost ohne Schnee, dann würde vieles durch die Kälte absterben“, sagt er. Glücklicherweise habe der Frühling Anfang März nur ein Intermezzo gegeben. Dadurch trieben auch die Sträucher wie Forsythien und Mangnolien noch nicht so weit aus, dass Blütenansätze nun erfrieren könnten. Das Gleiche gilt für Brandenburgs Obstplantagen, weshalb die landwirte um Werder und Potsdam noch nicht um ihre Ernte fürchten. „Viel bedrohlicher sind Spätfröste“, heißt es bei ihrem Verband.

Auch auf die Tierwelt hat der erneute Wintereinbruch Auswirkungen. Manche Vögel hatten schon Anfang März mit dem Nestbau angefangen, wie Vogelfachmann Harro Strehlow vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) sagte. Dies mussten sie unterbrechen, stattdessen suchen sie Futter. Bei Schnee sei Zufüttern in Ordnung, sagt Strehlow. Sowie Tauwetter einsetze, solle man aber Meisenknödel und Futterhäuschen wegräumen, „damit sich die Vögel wieder selbst aus der Natur ernähren“. (mit cs und dpa)