Panorama : Gentest für Führungskräfte gefordert

Studien belegen: Gier ist angeboren

Frankfurt/Main – Der Frankfurter Zukunftsrat fordert, dass als Konsequenz aus neuen Forschungen Führungskräfte einen speziellen Gentest sowie psycholohische Tests absolvieren sollten. „Die Gier im Finanzverhalten ist genbedingt“, erklärte das von vornehmlich mittelständischen Unternehmen finanzierte Netzwerk am Mittwoch in Frankfurt am Main. Der Zukunftsrat habe ein entsprechendes Thesenpapier nach einer Sitzung mit dem Bonner Neurobiologen Oliver Brüstle und anderen Wissenschaftlern, dem aus der SPD ausgetretenen ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und dem CDU-Politiker Friedrich Merz verfasst. Der Zukunftsrat, dessen Kuratoriumsvorsitzende die Gesellschafterin der Schaeffler KG, Maria-Elisabeth Schaeffler, ist, führt zur Erklärung seiner These Erkenntnisse der Hirnforschung am Bonner Universitätsklinikum an. Das Belohnungssystem des Gehirns reagiere auf kurzfristige Gewinne und den Anblick von Geld wie auf Kokain. Seine Aktivierung könne „süchtig machen“.

Die Forderung des Zukunftsrats nach Genztests für Führungskräfte stützt sich auf die Erkenntnis, dass die Gier im Finanzverhalten genetisch bedingt sei. Eine Ursache dafür seien so genannte Polymorphismen in dem Gen, das den Rezeptor für die Überträgersubstanz Dopamin bildet. Polymorphismen sind kleinste Veränderungen der Erbsubstanz auf der Ebene einzelner Aminosäuren, die nicht zu Erkrankungen führen, sondern für die Individualität von Menschen verantwortlich sind. Besteht eine solche Veränderung in dem Gen, das den Rezeptor für die im Belohnungssystem aktive Überträgersubstanz Dopamin aufbaut, ist dieser Rezeptor nicht mehr so wirksam und das Belohnungssystem kann bei diesen Menschen weniger leicht aktiviert werden. Solche Personen sind weniger anfällig für Glücksspiele und wahrscheinlich auch für die „Gier“ im Finanzverhalten. Der Zukunftsrat zieht die Schlussfolgerung, die Finanzaufsicht des Staates und die Einstellungspraxis der Unternehmen sollten sich an diesen Erkenntnissen orientieren. Die Mechanismen des zentralen Nervensystems müssten beim Aufbau eines staatlichen Regelsystems zur Behebung der Finanzkrise stärker berücksichtigt werden. Außerdem wird es „notwendig sein, die Zusammensetzung von Leitungsgremien in großen Betrieben und anderen Einrichtungen auch unter diesen Gesetzmäßigkeiten zu über-prüfen.“ Gentests sowie psychologische Tests könnten könnten Personen herausfiltern, die für Gier besonders anfällig seien, sagt Pohl. Tsp/epd