Überregionales : Paketbombe: Sorge vor Trittbrettfahrern

Polizei stockt Sonderkommission auf. Bislang keine heiße Spur bei Hinweisen. Verunsicherung führt zu mehreren Fehlalarmen

Alexander Fröhlich Jörn Hasselmann Frank Jansen

Potsdam/Berlin - Brandenburgs Polizei setzt jetzt noch mehr Ermittler auf die Paket-Erpresser an. Die Sonderkommission „Quer“ wurde am Montag auf 50 Beamte verdoppelt. Bis Montagnachmittag gingen 50 Hinweise ein. Davon seien bereits mehr als zehn überprüft worden. Eine heiße Spur sei aber nicht darunter, sagte ein Sprecher.

Der oder die Erpresser verlangen vom Paketdienstleister DHL – einer Tochter der Deutschen Post – mehrere Millionen Euro und drohen mit weiteren Bomben. Am Freitag war einem Apotheker in der Potsdamer Innenstadt direkt am Weihnachtsmarkt ein Paket mit einer Rohrbombe geschickt worden. Nur durch Glück zündete sie nicht. Dem Apotheker kam das Paket verdächtig vor, beim Öffnen zischte es. Sprengstoffexperten der Polizei machten die Bombe mit einem Hochdruck-Wasserstrahl unschädlich. Bereits Anfang November war eine ähnliche Bombe bei einem Online-Versandhändler in Frankfurt (Oder) in Flammen aufgegangen. Sie war aus Berlin verschickt worden.

Das an den Apotheker verschickte Paket war am Donnerstagmorgen in Potsdam an einer Packstation aufgegeben worden. Die Spurenexperten des Landeskriminalamtes fanden auch die Reste eines Papiers mit einem QR-Code und setzten es wieder zusammen. Der Code führt beim Scannen zum Bekennerschreiben im Internet. Darin fordern die Erpresser von DHL Millionensummen und drohen andernfalls mitten im Weihnachtsgeschäft mit weiteren Bombenpaketen.

Deshalb hatte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Sonntag an die Bürger appelliert, besonders vorsichtig zu sein und beim kleinsten Verdacht die Polizei zu verständigen. Auch die Post empfahl, nur Pakete von Absendern anzunehmen, die bekannt seien oder bei denen man Bestellungen aufgegeben habe.

Nun herrscht teils Verunsicherung, die Polizei hatte mit mehreren Fehlalarmen zu tun: Die Landes-Bußgeldstelle der Polizei in Gransee (Oberhavel) sollte nach Empfang eines Pakets geräumt werden. Es enthielt jedoch nur einen Christstollen. In Pritzwalk (Prignitz) rief eine Frau die Polizei wegen eines Pakets an. Darin war eine vom Ehemann bestellte Geltube. Aufregung auch in der Thüringer Staatskanzlei in Erfurt: Zunächst vermutete die Polizei in einem Paket ohne Absender eine Handgranate, tatsächlich waren es Kataloge.

In Berlin gab es am Montag „nicht mehr Anrufe wegen verdächtiger Pakete oder Gegenstände als sonst“, hieß es bei der Polizei am Vormittag. Wegen zahlreicher Medienanfragen begann die Polizei gegen Mittag zu zählen. Zwischen 13 und 15 Uhr gab es zwei Anrufer, die ein verdächtiges Paket meldeten. Die Prüfung dauerte am Nachmittag noch an. In den Ermittlungsbehörden geht die Sorge vor Trittbrettfahrern um.

Die Polizei geht davon aus, dass der oder die Täter aus der Hauptstadtregion kommen. Die Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes bauen das Bombenpaket nun nach, um die Spreng- und Zerstörungskraft zu prüfen. Fest steht: Wäre eine der Bomben explodiert, hätte das zu schwersten Verletzungen bei umstehenden Personen führen können. Inzwischen wissen die Ermittler auch, wie genau die Zündung funktioniert, wollten aber keine Details bekannt geben. Dennoch sind sie zuversichtlich, den Fall zu lösen. „Wir setzen alles daran, die Gefahr zu beseitigen, indem wir den Täter dingfest machen“, sagte der Sprecher. Er verwies auf erfolgreiche Ermittlungen in der Vergangenheit wie bei einem Millionen-Erpresser der Deutschen Bahn 1996 oder gegen einen Keks-Hersteller 2012.

In Sicherheitskreisen gilt ein politisches Motiv als unwahrscheinlich, auch wenn DHL von Linksextremisten seit Langem attackiert wird und als „Deutsche Heereslogistik“ bezeichnet wird. Zudem gehen die Ermittler nicht davon aus, dass mit der verlangten Summe der terroristische Untergrund finanziert werden soll. Die Bauweise der Bombe könnte aber bei Dschihadisten abgeschaut sein, hieß es.

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