Olaf Scholz bei „Brigitte live" : Ein Kandidat für Emotionen

Der SPD-Politiker wirkt auf viele kühl, oft auch belehrend. Jetzt sprach er ausführlich und ernst über Gefühle - und zeigte auch welche.

Allein unter Frauen: Olaf Scholz beim Talk mit den Redakteurinnen der "Brigitte."
Allein unter Frauen: Olaf Scholz beim Talk mit den Redakteurinnen der "Brigitte."Foto: AFP

Olaf Scholz ist ein Mensch, ein Mensch mit echten Gefühlen, ein Mensch mit großen Gefühlen. Das ist, leicht zugespitzt, die Erkenntnis eines Live-Gesprächs der Zeitschrift „Brigitte“ mit dem Kanzlerkandidaten der SPD. Der Vizekanzler gilt als hanseatisch nüchterner, ja empathieloser Politiker. Er fällt manchmal ins Belehrende, was dann von manchen als intellektuell hochmütig empfunden wird. Dass er vor wenigen Wochen im Gespräch mit einer Boulevard-Zeitung den aktuellen Benzin-Preis nicht nennen konnte, trug auch nicht zu dem Eindruck bei, er sei nah am Leben der Menschen.

Doch am Mittwochabend zeigte er andere Seiten. Scholz nutzte die Gelegenheit, dass viel nach persönlichen Beziehungen gefragt wurde - und wirkte dabei nicht gekünstelt. Auch sein Verhältnis zur Politik schilderte er als emotional: „Was wichtig ist, ist aus dem Herzen Politik zu machen. Ohne mit dem Herzen bei der Sache zu sein, das gibt's. Aber das macht keinen Sinn aus meiner Sicht."

"Es ist immer Liebe": Olaf Scholz über seine Frau Britta Ernst, Bildungsministerin in Brandenburg. ACHTUNG: Foto ist ausschließlich für redaktionelle Berichterstattung der PNN und des TGSP! Eine kommerzielle Nutzung, z.B. Werbung, ist ausgeschlossen. Die Weitergabe an nicht autorisierte Dritte, insbesondere eine weitergehende Vermarktung über Bilddatenbanken, ist unzulässig.
"Es ist immer Liebe": Olaf Scholz über seine Frau Britta Ernst, Bildungsministerin in Brandenburg. ACHTUNG: Foto ist...Foto: Ottmar Winter PNN

Zur Frage, welche Frau ihn am stärksten geprägt habe, sagte er: „Meine Frau. Ich glaube, dass ich ein anderer Mensch wäre, wenn ich nicht mit Britta Ernst verheiratet wäre.“ Ihr sei er auch dankbar dafür, dass sie ihn, den lange unsportlichen Menschen im Alter von etwa 40 Jahren aufgefordert habe, endlich etwas für seinen Körper zu tun, woraufhin er mit dem Joggen und Rudern begann. 

Scholz über seine Ehe: "Es ist immer Liebe."

Auch zur Qualität seiner Ehe gab er schnell und sehr entschieden Auskunft: „Es ist immer Liebe, und das ist doch das Entscheidende." Ernst ist Bildungsministerin in Brandenburg, für ihren Mann ist sie eine "sehr erfolgreiche Politikerin". Scholz nahm für sich in Anspruch, seit seinen Juso-Tagen für die Gleichstellung von Frauen einzutreten und fühlt sich in diesem Ziel von seiner Frau unterstützt. Der Kandidat redete nicht nur Gefühle, er zeigte sie auch. Als eine Redakteurin wissen wollte, ob Ernst weiterarbeiten werde, wenn er Kanzler werde, gab er zurück: „Ich finde das eine Frage, die mich empört." Später entschuldigte sich die Redakteurin des Frauenmagazins für ihre in der Tat wenig frauenfreundliche Frage.

Womöglich ist es auch die Entwicklung des Wahlkampfes, die Scholz gelassener macht. Noch vor wenigen Wochen schien er ein ziemlich chancenloser Außenseiter zu sein. Doch nach der Pannenserie von Annalena Baerbock und eklatanten Blößen von Armin Laschet hat sich die Position der SPD verbessert. Scholz: „Ich bin sehr berührt, wenn ich aus persönlichen Gesprächen und den Umfragen, die wir sehen, wahrnehme, dass viele mir das zutrauen. Das ist keine selbstverständliche Sache."

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Auf die Frage, ob ihn seine lange Erfahrung vor den Fehlern seiner Konkurrentin und seines Konkurrenten bewahre, brachte der Kandidat das Kunststück fertig, sich zugleich bescheiden zu geben und den Wert seiner langen politischen Praxis zu betonen: „Niemand sollte den Eindruck erwecken, dass er oder sie fehlerfrei ist. Aber natürlich bin ich ganz froh über die vielen Erfahrungen, die ich habe machen können, aber auch über die Haltung, gelassen mit vielem umzugehen."

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Da war es dann schon fast erleichternd, dass der Kandidat doch noch festhielt, dass es mit Gefühlen alleine nicht getan ist: „Ich bewerbe mich als Kanzler, nicht als Zirkusdirektor.“ 

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