Überregionales : Offenbar Anschlag auf Halbmarathon verhindert

Berliner Polizei hatte Hinweise auf geplante Gewalttat. Sechs Salafisten festgenommen – darunter Bekannte von Attentäter Amri

Jörn Hasselmann Frank Jansen

Berlin - Die Berliner Polizei hat am Sonntag möglicherweise einen islamistischen Anschlag auf den Halbmarathon verhindert. Mehrere Gruppen des Spezialeinsatzkommandos der Polizei nahmen sechs Salafisten im Alter von 18 bis 21 Jahren fest, darunter zwei frühere Bekannte des Berlin-Attentäters Anis Amri. Die Männer hätten in den vergangenen Wochen auffällig und auch nachts mehrere Stellen der Laufstrecke aufgesucht, sagten Sicherheitskreise dieser Zeitung. Am Halbmarathon nahmen 36 000 Läufer teil. Zu dem jährlichen Spektakel kommen zehntausende Zuschauer.

Es habe keine unmittelbare Gefahr für Läufer und Zuschauer bestanden, betonten Sicherheitsexperten am Sonntag. Der Hauptverdächtige, der Iraker S., und seine Freunde seien rund um die Uhr überwacht worden. Die vorläufigen Festnahmen seien erst am Mittag erfolgt, der Halbmarathon hatte am Morgen um 10 Uhr begonnen. Die Männer wurden aus mehreren Wohnungen geholt. Keiner habe sich am Halbmarathon aufgehalten, hieß es. Einige Wohnungen in der City West hätten sich allerdings in der Nähe der Laufstrecke befunden.

Polizei und Staatsanwaltschaft teilten Sonntagnachmittag mit, es habe mehrere Durchsuchungen gegeben, „die zum Auffinden von Beweismitteln und Festnahmen führten“. Im Vorfeld des Halbmarathons habe es „vereinzelte Hinweise“ gegeben, dass die Festgenommenen an der Vorbereitung eines Verbrechens im Zusammenhang mit der Veranstaltung „beteiligt gewesen sein könnten“. Aufgrund der Hinweise „und der noch nicht vollständig geklärten Hintergründe des gestrigen Attentats in Münster entschlossen sich Generalstaatsanwaltschaft Berlin und das Landeskriminalamt Berlin zu den Durchsuchungen der entsprechenden Wohnanschriften sowie zwei Fahrzeugen in Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln“. Ein Vorfall am Rande der Marathonstrecke am Adenauertunnel, bei dem ein Messer eingesetzt wurde, habe definitiv keinen Zusammenhang mit den heute festgenommenen Personen, hieß es im Präsidium.

Nach Informationen dieser Zeitung wurde der Hauptverdächtige seit 14 Tagen rund um die Uhr observiert. Ein Sicherheitsexperte sagte, ein Nachrichtendienst habe einen Hinweis auf einen bevorstehenden Anschlag von S. beim Halbmarathon gegeben. Deshalb hätten die Berliner Sicherheitsbehörden kurzfristig den Zugriff geplant. Andere Quellen bestätigten das nicht. Danach seien die Salafisten vielmehr präventiv überwacht und dann vorläufig festgenommen worden. Sicherheitskreise sagten am Sonntag, der Iraker S. und der weitere festgenommene frühere Bekannte von Amri hätten sich „im Umfeld“ der Fussilet-Moschee bewegt. Innensenator Andreas Geisel hatte den salafistischen Moscheeverein 2017 verboten. Amri hatte sich in der Moschee aufgehalten, zuletzt am 19. Dezember 2016, dem Tag des Anschlags. Der Iraker S. soll schon vor dem Terrorangriff von Amri versucht haben, in den Irak zu gelangen – vermutlich, um sich der Terrormiliz IS anzuschließen. Die Ausreise sei jedoch verhindert worden, sagten Sicherheitskreise.

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