Überregionales : Numerus clausus in Medizin muss neu geregelt werden

Berlin - Das Verfahren zur Vergabe von Medizinstudienplätzen ist teilweise nicht mit dem Grundgesetz vereinbar und muss bis Ende 2019 neu geregelt werden. Das Bundesverfassungsgericht sieht den Anspruch der Studienplatzbewerber auf gleiche Teilhabe am staatlichen Studienangebot verletzt, heißt es in einem Urteil vom Dienstag. Die Studienplatzvergabe nach den Abiturnoten wird zwar grundsätzlich bestätigt, die Rolle der Ortswünsche der Bewerber und der langen Wartezeiten werden aber infrage gestellt. Bei der Zulassung müsse ein zusätzliches, nicht notenbasiertes Kriterium zählen.

Zur Zahl der Studienplätze äußerte sich das Gericht nicht. Aktuell bewerben sich auf knapp 11 000 Plätze jährlich rund 62 000 Abiturienten. Der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery leitet aus der Kritik des Gerichts an den langen Wartezeiten allerdings den Ruf nach mehr Studienplätzen ab. Notwendig sei eine Erhöhung um mindestens zehn Prozent. Anders ließen sich die Wartezeiten nicht begrenzen. Das Urteil fordere Bund und Länder auf, „bei der schleppenden Umsetzung der Reform des Medizinstudiums endlich Tempo zu machen“. Auch der Virchow-Bund, der Verband der niedergelassenen Ärzte, bezeichnete es als „die wichtigste Aufgabe der Länder“, die Zahl der Studienplätze deutlich zu erhöhen. Zudem müssen die Medizinischen Fakultäten nun in die Lage versetzt werden, Faktoren wie Empathie, soziale Kompetenz und Kommunikationsfreudigkeit durch Auswahlgespräche festzustellen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte auch für andere Mangelfächer einen Ausbau der Kapazitäten.-ry

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